Eingebettet in den Gottesdienst, der von Sigrid Holtgrave gestaltet wurde, entfaltete das frühe Werk des Komponisten eine nachhaltige Wirkung – nicht als bloßes Konzertstück, sondern als lebendiger Bestandteil der Liturgie.
Von Beginn an war die besondere Atmosphäre dieses Gottesdienstes spürbar. Der zentrale Psalm 130, der Klage, Hoffnung und Vertrauen miteinander verbindet, wurde in der Ausdeutung Bachs zu einem bewegenden Klangraum. In Predigt und Liturgie nahm Pfarrerin Holtgrave die existenzielle Tiefe des Psalms auf und schlug eine überzeugende Brücke zwischen Wort und Musik.
Die dichten Chorsätze der Evangelischen Kantorei zeichneten sich durch klare Linienführung und eine fein abgestimmte Balance zwischen Ausdruck und Transparenz aus. Gerade in den klagenden Passagen gelang dem Chor eine eindringliche, meditative Stimmung, ohne an klanglicher Geschlossenheit zu verlieren.
Das Projektorchester der Musikschule Tecklenburger Land erwies sich erneut als verlässlicher und sensibler Partner. Bemerkenswert war dabei nicht nur die musikalische Qualität, sondern auch die besondere Zusammensetzung des Ensembles aus Lehrenden und Lernenden. Diese Verbindung aus Erfahrung und Nachwuchsförderung verlieh dem Klangkörper eine lebendige Frische. Kantorin Rebekka Follert und Musikschulleiterin Stefanie Bloch bewiesen zum dritten Mal eine wunderbare Zusammenarbeit und zeigten, wie gut sich zwei Ensembles unter einem Dach zusammenführen lassen.
Die Solisten fügten sich stimmig in das Gesamtgefüge ein. Stephan Hinssen überzeugte mit einem klar geführten Tenor, der den Charakter seiner Partie klar zur Geltung brachte. Tim Herde setzte mit seinem warmen, tragfähigen Bass markante Akzente und verlieh den Worten spürbare Tiefe.
Dass es sich bei BWV 131 um eines der frühesten Werke Bachs handelt, war in dieser Aufführung nicht als Einschränkung, sondern als besondere Qualität erlebbar. Die noch motettisch geprägte Struktur ließ die Musik unmittelbar und konzentriert wirken. Text und Klang verbanden sich zu einer eindringlichen Einheit, die die Zuhörenden sichtbar berührte.
So wurde dieser Gottesdienst zu weit mehr als einer musikalischen Darbietung. Er öffnete einen Raum der Besinnung, in dem sich existenzielle Fragen, Hoffnung und Vertrauen eindrucksvoll begegnen. Die Kooperation zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde Lengerich und der Musikschule Tecklenburger Land erwies sich erneut als künstlerisch wie pädagogisch wertvoll – und wurde vom Publikum mit großer Aufmerksamkeit und Dankbarkeit aufgenommen.
Abschließend würdigte Pfarrerin Holtgrave das Engagement aller Beteiligten und äußerte die Hoffnung auf eine Fortsetzung der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde und Musikschule in ähnlich eindrucksvollen Projekten.
Bericht: R.F.