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Zuversichtlich bleiben, auch in Veränderungen - Gottesdienst mit vielen Emotionen zur Verabschiedung von Pfarrer Björn Thiel

Der 2. Oktober 2026 wird vielen Tecklenburgern noch lange im Gedächtnis haften bleiben. Die Evangelische Stadtkirche war bis auf den letzten Platz besetzt, als Mitglieder der Gemeinde, Freunde und Weggefährten Pfarrer Björn Thiel aus seinem Dienst verabschiedeten.

Nach mehr als 14 Jahren wagt er den Neuanfang als Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede. Er wollte nicht gleich zu Beginn sentimental werden, aber dass so viele Besucher zu seinem vorerst letzten Gottesdienst gekommen waren, berührte ihn sehr. Der Humor war ihm dennoch nicht abhandengekommen. So nahm er schmunzelnd die Monopoly-Ergänzung „Gehe in das Gefängnis“ als Geschenk zur Verabschiedung entgegen. Unter Bezug auf das Erntedank-Wochenende blickte er auf Dinge zurück, die - auch im übertragenen Sinne – in seiner Amtszeit gewachsen sind. 

Mit dem Song „One of us“ von Joan Osborne brachte die Band „Stückwerk & Friends“ mit Harald Budke am Piano, Christian Janowsky (Gesang), Jan Stubben (Bass), Hermann Gemke (Saxofon), Anne Meyer-Schwickerath (Flöte) und Ole Watenphul (Cajón) passende Stichworte für die Begrüßung ein. „Was wäre, wenn Gott wirklich hier unter uns säße, wie es im Liedtext heißt”, fragte Björn Thiel. Im Psalm 139 und dem Lied „Du bist da” griff er die Allgegenwart Gottes wieder auf. Die Lesung aus dem Römerbrief verwies darauf, dass die Liebe Gottes durch nichts zu zerstören ist. Die Band begleitete auch den Gemeindegesang. 

In seiner Predigt unternahm der Pfarrer zunächst den Versuch, eine Bilanz seines Wirkens zu ziehen und einen „Kassenbon” zu erstellen, auf dem am Ende eine Summe alles erfasst, was er geleistet oder erduldet hat: viele Gottesdienste und Predigten, zu viele Sitzungen, kein einziges gut gesungenes Lied. Ein „Brief Jesajas”, den ihm die ehemalige Vikarin Luise Klein auf die Kanzel reichte, machte ihn nachdenklich. Darin stand, er solle sich nicht so wichtig nehmen. Er sei nur ein Teil der Gemeinde. Also warf er den Kassenzettel weg und hob nur Dinge hervor, die ihm geschenkt wurden. Für ihn und seine Familie sei Tecklenburg Heimat. Er habe sich von Beginn an willkommen gefühlt und wünsche sich, dass es trotz der beruflichen Veränderung dabei bleiben könne, erklärte Thiel. Er werde vor allem gern an die besonderen Gottesdienste zurückdenken. Zahlreiche Menschen hätten dafür gesorgt, dass aus Ideen Wirklichkeit wurde. Dafür sei er außerordentlich dankbar. 

„Das Leben verläuft nicht in Schablonen”, stellte André Ost in seiner Ansprache zur Entpflichtung des Pfarrers fest. Man könne es nicht in Statistiken planen. Björn Thiel habe Spuren gesetzt und eine große Offenheit gezeigt für die Menschen, die hier leben. Sie zusammenzubringen und mit der frohen Botschaft vertraut zu machen, bereitete ihm Freude. Dafür habe er neue Gottesdienstformate entwickelt, zu ungewöhnlichen Anlässen und an interessanten Orten: am Valentinstag, auf der Freilichtbühne oder im Feuerwehrhaus. Langwierige Strukturdebatten waren weniger sein Fall. Sein Herz schlage für die Seelsorge. Dennoch habe er sich in vielen Gremien des Kirchenkreises engagiert. 

Für seine künftige spannende Aufgabe wünschte ihm der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg, dass er dauerhaft Sinn darin finde. Wie es hier weitergehen werde, ließe sich noch nicht bis ins Letzte erfassen. „Hinter den Kulissen arbeiten wir an sinnvollen Übergängen und guten Personallösungen”, betonte Ost. Die Gemeinden der Region sollten nicht das Gefühl haben müssen, abgehängt zu werden.

Nach der Entpflichtung erhielt der Pfarrer viele gute Wünsche, Zusprüche und sehr langen Beifall. In den Fürbitten spielten Frieden, Einsamkeit, Krieg und Angst, aber auch Freude auf neue Wege eine Rolle. Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus wurden Erinnerungen ausgetauscht und Geschenke überreicht. Bürgermeister Stefan Streit gratulierte im Namen der Stadt und des Rates. Seitens der Katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen wurde der ökumenische Zusammenhalt unterstrichen.

Bericht: Brigitte Striehn

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