Das Hohelied der Liebe aus dem Alten Testament ist ein Dialog zweier Liebender, die bei ihrem Werben umeinander sinnliches Begehren mit wunderbaren Metaphern beschreiben. Zum Thema Liebe im Alter verwies der Vertretungspfarrer auf Abraham und Sara, die nach der biblischen Überlieferung im Alter von 100 und 90 Jahren auf Gottes Verheißung Eltern wurden. Kinder bedeuteten in vergangenen Jahrhunderten Reichtum und Wohlstand, so Göldner weiter.
Marcel Temme, Regionalreferent der Männerarbeit im Münsterland, überbrachte Grüße des Bezirksvorstands. Nach dem Frühstück übernahm Michael Remke-Smeenk die Aufgabe, Liebe, Partnerschaft und Älterwerden für Männer 60+ miteinander in Einklang zu bringen. Der Mitarbeiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Bistums Münster widmete sich in seinem Vortrag der Frage, wie die Liebe sich mit dem Älterwerden wandelt. Körperliche Veränderungen, nachlassende Potenz oder Krankheiten führten unweigerlich zu neuen Paarbeziehungen. Statt nach Höhepunkten zu streben, könnten Zärtlichkeiten Genuss bereiten. Liebe sei Geben und Nehmen, eine Fürsorge des Herzens und gehe über normale Beziehungen hinaus. Wie Jesus Bartimäus fragte „Was willst Du, dass ich für dich tun soll“, sei es in Partnerschaften wichtig, sich gegenseitig eine Stütze zu sein, führte Michael Remke-Smeenk aus.
Es komme darauf an, Probleme und Wünsche offen anzusprechen, aber auch den Partner als Geschenk zu sehen und sich an seiner Gegenwart zu erfreuen. Nähe brauche Wertschätzung, Freiheit und bewusste Pflege der Beziehung, stellte der Referent fest. Unter den Stichpunkten „Wandel, Trennung und Neuanfang“ fasste er Ratschläge zur Konfliktbewältigung zusammen. Dabei könnten auch Fachleute der Mitarbeiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatung helfen, deren Wartelisten kürzer als die von Psychologen seien. Wer nach einer Trennung oder dem Tod des Partners nicht allein bleiben möchte, sollte eher auf Zeitungsannoncen als auf Internetsuche vertrauen. Grundlegend sei es dabei, offen und ehrlich eigene Bedürfnisse zu äußern. Glück ließe sich zudem auch außerhalb von Partnerschaften in Vereinen, Klubs oder lockeren Gruppen Gleichgesinnter finden.
„Alter schützt vor Liebe nicht, aber Liebe vor dem Altern“, soll Coco Chanel gesagt haben. Das war ein gutes Schlusswort und eine gelungene Überleitung zu der Diskussionsrunde. Die Teilnehmer konnten sich untereinander austauschen und Fragen stellen. „So ist das tägliche Leben“, meinte ein Besucher. Eine gewisse Altersmilde an den Tag zu legen, sei zumindest einen Versuch wert. Gut zuhören, über alles miteinander reden und gemeinsam kreative Ideen umsetzen, waren weitere Vorschläge für das Familienleben nach den „wilden Jahren“.
Bericht: Brigitte Striehn