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Seniorenkantorei im Kirchenkreis wird zehn Jahre alt

Ursula Mittring leitet seit zehn Jahren die Seniorenkantorei in der Kirchengemeinde Lengerich. Und genauso lange gibt es diese besondere Chorarbeit im Kirchenkreis Tecklenburg bereits. Die 91-jährige Kirchenmusikerin bietet damit ein Angebot für Sängerinnen und Sänger aus Chören im Kirchenkreis.

Hier kann Chorbegeisterung und -erfahrung problemlos andocken. Stressfreies Singen und Studieren anspruchsvoller Chorliteratur ohne Zeitdruck, spezielles Atem- und Stimmtraining in lockerer Atmosphäre, das macht die Seniorenkantorei aus. Jeden Mittwoch von 10.00 bis 11.30 Uhr finden die Proben im Gemeindehaus an der Stadtkirche in Lengerich statt. Die Chorsängerinnen und -sänger erleben die Seniorenkantorei so: „Nach jeder Chorprobe freue ich mich schon auf die nächste!“ „Die Chorproben mit Frau Mittring sind spitze!“ Oder: „Unbemerktes Gehirn-Jogging bei lustigen Warm-ups macht uns munter!“ Der Kirchenkreis unterstützt die Tätigkeit von Ursula Mittring finanziell. Öffentlichkeitsreferentin Christine Fernkorn führte ein Gespräch mit ihr.

Welche musikalische Ausbildung bringen Sie mit? 

„Ich habe ein Studium für Kirchenmusik mit B-Abschluss an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford absolviert. Wilhelm Ehmann, der Gründer der Hochschule, hat mich sehr geprägt und mich noch lange nach dem Examen zu Reisen und Tagesfahrten der Westfälischen Kantorei dazugeholt.“ 

Wie kamen Sie auf die Idee, vor zehn Jahren die Seniorenkantorei ins Leben zu rufen?

„Bevor ich diese Aufgabe annahm, habe ich einige Jahre die Kinder- und Jugendkantorei-Arbeit in Lengerich, einen Kinderchor im Außenbereich sowie den Kirchenchor in Tecklenburg geleitet. Viel Freude hatte ich auch bei der Leitung des Urlauberchors auf Baltrum. Ich habe intensiv mit meinem Mann, der von 1960-1994 Kantor in Lengerich war, zusammengearbeitet. Nach dem Tod meines Mannes machten mir unsere Kinder Mut dazu, ein Seniorenstudium aufzunehmen. Also studierte ich sechs Semester im Studiengang „Förderung von Sozialkompetenz“ an der Universität Münster. Ein wesentlicher Bestandteil des Studiums war die Alternspsychologie. Das Studium hat mir gutgetan und mich inspiriert, das Alter als Lebensphase mit Entwicklungsmöglichkeit zu begreifen und nicht nur auf die Defizite zu schauen. Vor zehn Jahren sprach mich der damalige Kreiskantor KMD Martin Ufermann an und fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, auf Kreiskirchenebene eine Seniorenkantorei aufzubauen. Da musste ich nicht lange überlegen. Genau das fehlte mir noch in meiner Chorleiter-Biografie und machte mich neugierig.“ 

Wie viele Sängerinnen und Sänger singen in der Seniorenkantorei mit? 

„Erst waren wir 15 Sängerinnen und Sänger, heute sind es 30. Sie kommen aus Tecklenburg, Lengerich, Leeden, Lienen, Ladbergen und Ibbenbüren. Die Werbung geschieht über Mund-zu-Mund Propaganda.“ 

Was macht Ihnen besondere Freude an dieser Arbeit? 

„Es reizt mich sehr, mit den Teilnehmenden so zu arbeiten, dass sie mit gutem Chorklang anspruchsvolle Literatur singen können, die sie musikalisch, geistig und emotional bewältigen. Um das zu erreichen, entwickle ich Möglichkeiten, die ich noch mit keinem Chor vorher ausprobiert habe. Zum Beispiel über unterstützende Bewegungen, bildliche Vorstellungen oder den Körpereinsatz. Mit wahrer Entdeckerfreude nehmen wir wahr, wir gut das oft funktioniert. Das vermittelt allen eine enorme Motivation, Selbstbewusstsein und Freude daran, weiter engagiert am Ball zu bleiben. Auch leichte Formen der Chor-Improvisation geben Mut, die Stimme selbständig einzusetzen.“ 

Welche Philosophie steht für Sie dahinter? 

„Es hilft uns im Alter nicht weiter, wenn wir nur dem hinterhertrauern, was nicht mehr möglich ist - bei mir ist das beispielsweise das Orgelspielen. Die Lebensgestaltung sollte darauf ausgerichtet sein, was wir gerne tun, kennenlernen wollen und was uns neugierig macht. Lebenslange Entwicklung ist möglich, sagt uns die Alternspsychologie. Seien wir also gespannt auf das, was wir entdecken! Ich meine, Senioren sind ein wichtiger, immer größer werdender Teil der Kirchengemeinden. Wenn Kirche die Senioren und ihre Potenziale nicht in den Blick nimmt, vertut sie eine Chance. Ich bin seit einiger Zeit im Gespräch mit der Musikdirektorin KMD Kerstin Schatz aus Amberg in Bayern. Sie hat zum Thema „Musikgeragogik im Kontext von Kirche und Kirchenmusik“ promoviert und auch die hiesigen Erfahrungen mit dem Seniorensingen in ihre Dissertation einfließen lassen. Sie unterstreicht, dass Kirchenmusik, die ja Musik mit der christlichen Botschaft verknüpft, eine Einstiegsmöglichkeit zum Glauben und kirchliche Heimat für alle Generationen sein kann.“

Welches Projekt planen Sie als nächstes? 

„Die sehr vielgestaltigen wöchentlichen Proben beinhalten immer eine Übephase für ein anspruchsvolles kleines Lied, wie beispielsweise eine kleine Motette von John Rutter oder auch eine moderne Bearbeitung eines Volksliedes, bei der die Stimmen zwischendurch Background-Flair darstellen durch Summen oder Singen von Vokalisen. Dabei singen die Sänger nur die Vokale. Erst dann überlegen wir, wo wir das geprobte Stück aufführen können. Das ist die umgekehrte Reihenfolge wie in einem Leistungschor und es vermeidet unnötigen Stress. Im Augenblick freuen wir uns auf die Gottesdienst-Mitgestaltung am Gründonnerstag, 2. April, um 19 Uhr in der Stadtkirche Lengerich. Für ein Gottesdienst-Singen suchen wir Stücke aus, die sich an der liturgischen Ordnung orientieren. So planen wir für den Abendmahls-Gottesdienst unter anderem das vierstimmige Spiritual „Let us break bread together“ und ein „Heilig“ in der neueren Fassung von Per Harling, aber auch zusammen mit der Gemeinde das Dialoglied „Seht hin, er ist allein im Garten (EG 95).“

 

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