Die Kreissynode des Ev. Kirchenkreises Tecklenburg tagte am 29. Juni 2026 im Gemeindehaus der Ev. Kirchengemeinde Jakobi in Rheine. An der Synode nahmen 64 stimmberechtige Synodale teil. Nach dem Gottesdienst in der Jakobikirche mit Pfarrerin Martina Bartling (Lengerich) als Synodalpredigern eröffnete Superintendent André Ost die Synode offiziell.
Bürgermeister Dr. Peter Lüttmann (Rheine) wandte sich in einem Grußwort an die Synode: „Wir spüren in Rheine, dass Kirche nach wie vor im Alltag der Menschen präsent ist: in den Gemeinden, den Kitas, der Diakonie, der Seelsorge und in der Begleitung älterer Menschen an vielen Orten.“ Kirche sei ein Ort, in dem Haltung sichtbar werde. Synodalassessor Pfarrer Dr. Oliver Kösters (Ev. Kirchenkreis Münster) betonte in seinem Grußwort: „Wir sollten eine hörende Kirche sein und ernstnehmen, was die Menschen bewegt.“ In Zeiten des Wandels könne sich die Kirche darauf verlassen, dass der Heilige Geist sie führt.
Die evangelische Kirche steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Sinkende Mitgliederzahlen, rückläufige Kirchensteuereinnahmen und gesellschaftliche Veränderungen machen grundlegende Zukunftsentscheidungen notwendig. In seinem mündlichen Bericht warb Superintendent André Ost deshalb für eine Offenheit für strukturelle Veränderungen. „Unsere Verantwortung für die Zukunft betrifft auch die Frage nach dem weiteren Weg des Kirchenkreises Tecklenburg“, stellte er fest. „In der heutigen Synode geht es um die Zukunftsperspektive für unseren Kirchenkreis im Zusammenhang eines Zielbildes mit den beiden Nachbarkirchenkreisen Münster und Steinfurt-Coesfeld-Borken“ betonte Ost.
Nach ausführlicher, teilweise kontroverser, aber sachlicher Diskussion sprach sich die Synode mit einer deutlichen Mehrheit bei zehn Gegenstimmen und zwei Enthaltungen für einen Prüfauftrag einer möglichen Fusion im Gestaltungraum Münsterland/Tecklenburger Land aus. Nachdem die Synoden der beiden Nachbarkirchenkreise sich bereits jeweils einstimmig für einen solchen Prüfauftrag ausgesprochen hatten, gab somit nun auch die Kreissynode Tecklenburg grünes Licht dazu. Damit beauftragt die Kreissynode den Kreissynodalvorstand, die nötigen Schritte zu einer Vereinigung der Kirchenkreise zu klären und der Kreissynode Tecklenburg im Sommer 2027 zur Entscheidung vorzulegen. „Uns geht es vor dem Hintergrund der kommenden Herausforderungen um rechtssichere Strukturen und die Bündelung von Ressourcen“, erklärte Superintendent André Ost vor der Synode. Eine gemeinsame Steuerungsgruppe wird den Prüfauftrag unter Begleitung einer externen Beratung umsetzen. „In guter Zusammenarbeit steckt Kraft zur Gestaltung“, freute sich Oberkirchenrätin Katrin Göckenjan-Wessel (EKvW) als zuständige Ortsdezernentin über den gemeinsamen Weg der drei Kirchenkreise. Die Tecklenburger Geschwister würden jetzt Wegbegleiter werden.
Auch eine neue Finanzsatzung und Finanzverteilung zum 1. Januar 2027 wurde mehrheitlich von der Kreissynode beschlossen. Die neuen Grundsätze der Finanzverteilung sollen einen Geltungszeitraum von vier Jahren haben. „Es braucht jetzt den Neuansatz, der unserer veränderten Situation einer Kirche im Umbruch Rechnung trägt“, betonte der Superintendent. Die Verteilung der Kirchensteuermittel an die Kirchengemeinden soll künftig ausschließlich nach Maßgabe der Gemeindegliederzahlen erfolgen. Die Berücksichtigung einer Strukturpauschale soll hingegen entfallen. Diese soll vorübergehend durch eine Ausgleichszahlung ersetzt werden, die in den Jahren 2027-2030 vollständig abgeschmolzen wird. Strategische Schwerpunkte der Arbeit im Kirchenkreis werden künftig die Jugendarbeit, die Kindertagesstättenarbeit, die Kirchenmusik sowie die Diakonie, Seelsorge und Bildung sein. Die Ev. Jugendbildungsstätte Tecklenburg soll als zentraler Bildungsort erhalten bleiben. Die Kindertagesstättenarbeit mit der größten Gruppe kirchlicher Mitarbeitender in derzeit 27 Kindertagesstätten soll zukünftig finanziell gedeckelt werden. Ihre strukturelle Zukunft ist noch zu klären. Das Konzept der Kirchenmusik wird überprüft.
Klimamanager Martin Bußkamp stellte der Synode das kreiskirchliche Klimaschutzkonzept vor: „Klimaschutz ist elementar, wenn es um den Erhalt der Schöpfung geht“, machte er deutlich. „Das vorliegende Klimaschutzkonzept bündelt die bisherigen Aktivitäten und zeigt einen Weg auf, bis 2035 alle Treibhausgasemissionen um 90 % gegenüber dem Ausgangswert von 2023 zu reduzieren.“ Der Klimamanager warb für dieses ambitionierte Ziel und ermutigte die Kirchengemeinden zu entsprechenden Investitionen, die durch den kreiskirchlichen Klimaschutzfonds unterstützt werden. Die Synode nahm das Klimakonzept einstimmig an. Damit tritt es in Kraft.
Die Evangelische Kirche von Westfalen überarbeitet aktuell ihre Kirchenordnung aus dem Jahr 1953 mit dem klaren Ziel, mehr Verständlichkeit und Flexibilität in die Gesetzgebung einzutragen. Viele Regelungen stammen aus einer anderen Zeit und werden heute kaum noch genutzt. Die Kreissynode Tecklenburg votierte einstimmig für die Stellungnahmen des Theologischen Ausschusses und aus den Kirchengemeinden. Sie werden an die Evangelische Kirche von Westfalen weitergeleitet. Wenn der EKvW die Stellungnahmen zu allen Teilbereichen der Revision der Kirchenordnung vorliegen, wird die Landessynode 2028 darüber entscheiden.
Für die Präventionsarbeit hatte die Sommersynode 2025 einen Prüfauftrag erteilt, um diese Arbeit zukunftssicher aufzustellen, wenn die bisherige, zeitlich befristete Stellenstruktur ausläuft. Da dieser Prüfauftrag noch nicht beendet ist, informierte Viola Langenberger, Präventionsfachkraft für den Bereich Sexualisierte Gewalt, die Synodalen in einem Zwischenbericht aus der AG Prävention über den aktuellen Stand. „Die Empfehlung an die Synode sieht vor, zukünftig eigene Stellenanteile für diesen Arbeitsbereich in Synergie mit den Nachbarkirchenkreisen im Münsterland vorzuhalten“, berichtete Superintendent André Ost. Die Präventionsarbeit ist durch das landeskirchliche Kirchengesetz als eine Pflichtaufgabe definiert.
Einstimmig sprachen sich die Synodalen für Pfarrerin Martina Bartling (Kirchengemeinde Lengerich) und Lennard Dirksmeier (Kirchengemeinde Recke) als neue Mitglieder im Kreissynodalvorstand (KSV) aus. Joachim Schulz (Kirchengemeinde Rheine-Jakobi) wurde in die Stellvertretung berufen. Als nichttheologische Mitglieder für die Landessynode wählten die Synodalen Joachim Schulz und Stefan Neuenfeld (Kirchengemeinde Lengerich).
Mit großem Dank verabschiedete André Ost Pfarrerin Verena Westermann (Kattenvenne), Pfarrerin Sigrid Holtgrave (Lengerich), Pfarrer Hans Erich Schwager (Rheine-Jakobi) sowie Ute Miensopust (Lengerich) aus der Synode. Er dankte auch Pfarrerin Andrea Klausmann, Krankenhausseelsorgerin im Klinikum Ibbenbüren und Sprecherin des kreiskirchlichen Seelsorgekonvents, für ihren engagierten Dienst im Kirchenkreis. Sie wechselt im Herbst in eine landeskirchliche Pfarrstelle für Forensik und Psychiatrie. Der gleiche Dank galt auch dem Geschäftsführer des Kindergarten-Verbundes, Ralf Evers, der Ende September in den Ruhestand geht.
Bericht: Christine Fernkorn