Unsere aktuellen Nachrichten auf einen Blick

Ostern 2026 - Gruß des Superintendenten

Wenn nicht alles täuscht, wird die Welt um uns herum immer härter. Krieg im Nahen Osten, Wirtschaftskrise, militärische Aufrüstung. Das schlägt mir bisweilen aufs Gemüt. Geht es Ihnen ähnlich? So viele Jahre war mein Leben von grundlegenden Sicherheiten geprägt. Und jetzt gerät gefühlt so ziemlich alles ins Wanken.

Da liegt es nahe, in einer Welt voller Härten auch selbst mit Härte zu reagieren. Natürlich braucht es im Leben bisweilen eine gesunde Härte. Man muss sich auch wehren können und Grenzen setzen, um von anderen nicht ausgenutzt zu werden. Die Härte macht auf Dauer allerdings auch etwas mit uns. Wer innerlich verhärtet, wird stumpf und mitleidlos. 

Dagegen wandte sich die diesjährige Fastenaktion in der Passionszeit „Sieben Wochen ohne“. „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ lautete die Überschrift der Aktion. Sie will uns daran erinnern, dass es in einer Welt, in der nur Härte zählt, nicht mehr menschlich zugehen kann. 

Gefühle spiegeln uns den inneren Zustand unserer Seele. Ob wir traurig sind oder fröhlich, voller Energie oder erschöpft, können wir an unseren eigenen Gefühlen erkennen. Sich diese Gefühle einzugestehen, sie auszusprechen und mit anderen zu teilen, macht uns verletzlich. Das fällt uns nicht immer leicht, weil wir fürchten, andere könnten das als unsere Schwäche sehen. Andererseits sorgt es aber auch für eine gesunde Ehrlichkeit, wenn wir zeigen können, wie es uns wirklich geht. Wer immer nur hart sein will, zu sich selbst und gegenüber anderen, wird unleidlich und kalt. 

Der Psychotherapeut Sina Haghiri hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Mit Nachsicht – wie Empathie uns selbst und vielleicht sogar die Welt verändern kann“

Er schreibt darin: „Für uns alle ist die Versuchung groß, Misstrauen gegenüber anderen zu entwickeln und die Welt als kalten Ort zu sehen. Das gilt besonders, wenn wir in einer Krise stecken. In anderen das Böse zu erwarten, bringt das Schlechteste in uns hervor. Das negative Bild von anderen, es hat reale Folgen, das ist die eigentliche Katastrophe. Mit Nachsicht hingegen werden wir gelassener, mit uns selbst und mit anderen.“ 

Nachsicht ist ein zentrales christliches Motiv. Jesus Christus hat uns die Barmherzigkeit gelehrt, ohne die das Leben voller Härten wäre. Barmherzig sein bedeutet, die Gefühle anderer zu achten und nicht nur die eigenen gelten zu lassen.

Für den Sieg des Mitgefühls über die Härte ist Jesus Christus gestorben. Er war bereit, diesen Weg bis ans Ende zu gehen. Vordergründig hat die Macht der Härte zwar die Barmherzigkeit besiegt. Jesus Christus wurde durch die Mächtigen verurteilt und ans Kreuz geschlagen. Aber die Liebe hat sich trotzdem durchgesetzt. Sie hat sich stärker erwiesen als der Tod. Davon erzählt uns Ostern. 

Jesus Christus ist auferstanden. Das Leben siegt. Die Nachricht des Osterfestes will uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern und fröhlich machen. 

Auferstehungsglauben zu haben kann uns helfen, unseren inneren Gefühlshaushalt zu regulieren. Nicht zu verbittern über mancherlei Härte des Lebens. Nicht in Traurigkeit zu versinken, weil manches sich nicht (mehr) verwirklichen lässt, was in den eigenen Plänen war. Sondern mit Heiterkeit und Zuversicht der Zukunft entgegenzuleben. 

Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

André Ost, Superintendent 

 

Psalm

„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit. 

Gott nahm in seine Hände meine Zeit, 

mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen, 

mein Triumphieren und Verzagen, 

das Elend und die Zärtlichkeit. 

 

Was macht, dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich? 

Ich sing und tanze her und hin vom Kindbett bis zur Leich. 

 

Was macht, dass ich so furchtlos bin an vielen dunklen Tagen? 

Es kommt ein Geist in meinen Sinn, will mich durchs Leben tragen. 

 

Was macht, dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsinn hält? 

Weil mich mein Gott das Lachen lehrt wohl über alle Welt.“ 

(Hanns Dieter Hüsch) 

Zurück
Erstellungsdatum: 30.03.2026