„Bei uns steht der emotionale Moment des Abschieds im Vordergrund – nicht materielle Aspekte wie ein teurer Eichensarg. Wir setzen auf Individualität und Wertschätzung, um den Abschied zu einem bedeutsamen Moment für alle Beteiligten zu machen“, lautet sein Credo.
In seinem Buch beschreibt Wrede seinen Weg vom Musikmanager zum Inhaber eines Bestattungsunternehmens. Er haderte mit der gängigen Trauerkultur und Bestattern, denen es an Einfühlungsvermögen fehlte. Würde vor den Verstorbenen und trauernden Angehörigen heißt für ihn vor allem Erfüllung letzter Wünsche und persönliche Begleitung. Anhand von Praxisbeispielen zeigt er, wie Abschiednehmen in individuellem Rahmen gelingen kann.
Der Spielfilm „Sterben für Beginner“ beginnt mit einer nächtlichen Szene auf einem Friedhof. Ein Mann gräbt offensichtlich eine Urne auf einem Gräberfeld aus und verschwindet damit. Pfarrerin Adelheid Zülsdorf-Maeder, Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Tecklenburg, begrüßte die Gäste und las am Schluss noch einige Sätze aus dem Buch vor. „Mit dem Thema Sterben und Tod müssen wir uns früher oder später alle beschäftigen“, stellte sie fest. Zwei Filme, Postkarten als Gedankenimpulse und weitere Veranstaltungen in den nächsten Wochen legen den Finger in die Wunde des Verdrängens.
Eric (Edin Hasanovic) und sein bester Freund Alex (Max Hubacher) sind in der Berliner Musik- und Kneipenszene unterwegs, leben in den Tag hinein und feiern die Nächte durch. Das unbeschwerte Leben endet abrupt, als die Ärzte bei Alex einen unheilbaren Hirntumor diagnostizieren. Ohne Vorwarnung steht der Tod vor der Tür und verändert alles. Eric schmeißt seinen Job als Veranstalter von Musikevents und bewirbt sich in einem Bestattungsunternehmen. Dem Inhaber ist mehr am Verkauf teurer Särge als an Empathie für die Hinterbliebenen gelegen. Von kreativen Beisetzungsformen hält er nichts.
Aber Eric stellt sich - notgedrungen - der Aufgabe. Anita, die Nichte des Chefs, bringt ihm alles bei, was er wissen muss. Das wird sehr einfühlsam dargestellt, auch wenn die Praxis teils drastisch ist. Die Schauspieler schafften bravourös den Spagat zwischen humorvollen Episoden, traurigen Momenten und einer nüchternen Sicht auf das Thema. Alex‘ Leben hing an einem seidenen Faden. Die Kraft reichte noch, seine schwangere Freundin Karla (Svenja Jung) in einer heiteren Zeremonie zu heiraten. Am Ende verlor er trotz intensiver Behandlungen den Kampf gegen den Krebs. Das Kind wird seinen Vater nie kennenlernen.
Alex starb umgeben von seinen Eltern und Freunden. Leider hatte er alle Ratschläge zur Erstellung einer Patientenverfügung in den Wind geschlagen. So eskalierte bei der Trauerfeier der Streit um die Grabstelle zwischen den Eltern und Karla, der schon bei der Hochzeit begonnen hatte. Eric fuhr zunächst Alex im offenen Sarg mit dem Leichenwagen durch Berlin und löste danach das Problem der Beerdigung auf unkonventionelle Weise. Sein Chef hatte beschlossen, sich zurückzuziehen und überließ ihm seinen Platz. Mit dem Lied „Send Me an Angel“ endete die sensible Mischung aus Familiendrama und Komödie, die das Tabuthema mit viel Respekt umsetzte. Die Zuschauer gewannen vor allem die Erkenntnis, dass niemand den eigenen Tod ignorieren kann und daher frühzeitig Verantwortung für seine Lieben übernehmen sollte. Der Film ist in der 3sat-Mediathek abrufbar. Eric Wrede stellt am 18. März um 19 Uhr im Blick.Punkt persönlich den Dokumentarfilm „Der Tod ist ein Arschloch“ vor.
Bericht: Brigitte Striehn
Weitere Infos zu allen Veranstaltungen der Ausstellung „Was bleibt“ auf der Homepage des Ev. Kirchenkreises Tecklenburg unter