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Lichtkunstausstellung „Wonderwalk“ lädt zum Dialog ein

Ohne das (Sonnen-)Licht wäre das Leben auf unserem Planeten gar nicht möglich. Licht: Das ist Hoffnung, das ist Lebenselixier, das ist ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit – oder aber auch von Gefahr, Unheil, Kälte. Welche Gefühle die diesjährige Lichtkunstausstellung „Wonderwalk“ der Künstlerin Tatjana Busch im Kunstkloster Gravenhorst auszulösen vermag, davon können sich Interessierte bis zum 22. Februar überzeugen.

Die Ausstellung ist eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe „finde dein Licht“. 

Neben diversen Führungen gehört immer auch ein ökumenischer Gottesdienst mit anschließendem Künstlergespräch inmitten der Lichtinstallationen im Großen Saal fest zum Programm. Dabei gestalteten erstmals die beiden Pfarrer Dirk Heckmann (evangelische Kirchengemeinde Lengerich) und André Pollmann (katholische Pfarrei St. Mauritius Ibbenbüren & Brochterbeck) den Gottesdienst am 6. Februar. Für die Lesung hatten die beiden Pfarrer den Gang der Jünger aus dem Lukasevangelium ausgewählt; in der folgenden Besinnung versuchten beide, theologische Überlegungen und künstlerische Deutungsmöglichkeiten miteinander zu verbinden. „Ich nehme alles auf, auch das Unfertige, das Unausgesprochene“, so Heckmann. Das ergebe „ein inneres Mitschwingen, Resonanzen“ und die wiederum erzeugen ein Gefühl von: „Ich werde berührt.“ Untermalt wurden die Gedanken der beiden Pfarrer von Ulrike Lausberg, die auf dem Klavier eine klangliche Interpretation zum Besten gab und für die musikalische Ausgestaltung sorgte.

Ein Künstlergespräch ohne Künstler, so lässt sich der folgende Teil des Abends kurz und knapp beschreiben. Teilnehmer waren die beiden Pfarrer sowie Kunsthaus-Leiterin Sara Dietrich; moderiert wurde das Gespräch unter dem Motto „Kunst & Theologie“ von WDR-Kulturjournalist Dr. Jörg Biesler. Ein wirklicher theologischer Bezug zwischen den Installationen und der Theologie wurde allerdings nicht hergestellt; die beiden Pfarrer betonten noch einmal, dass sie mit ihren Gedanken zum Dialog einladen wollten und dabei vielfach Bezug auf die Installationen genommen hätten.

Dafür kam Sara Dietrich eine entscheidende Rolle zu, da sie zu vielen künstlerischen Aspekten detailliert Stellung nehmen konnte: So wurde die große Installation im Saal eigens für die Gravenhorster Ausstellung gefertigt; hier sorgen große, aufrecht versetzt angeordnete und in verschiedenen Farben gehaltene Acrylplatten – teilweise mit vorgelagerten Spiegelplatten am Boden – für ein Aufbrechen und eine Neugestaltung des Raums und der Dimensionen. Dabei erhält der Saal durch die Spiegelung der Deckenarchitektur eine sonst nicht vorhandene Tiefe, fordert den Besucher zusammen mit den Acrylplatten beim Begehen der Installation jedoch heraus. Als „Lockpunkt“ befindet sich am Ende des Saals ein auffällig kontrastierendes Objekt, das mittels verschiedener Lichtszenarien und einer Drehbewegung im steten Wandel erscheint: Wie ein übergroßes, achtlos geknautschtes, metallenes Bonbonpapier erstrahlt das Objekt mal einheitlich und undurchsichtig, mal teilweise durchscheinend und in buntesten Farben leuchtend. Und auch die vorgesetzten Acrylplatten sind durch die wechselnden, auf halber Raumhöhe angebrachten Farben einem Wandel unterzogen: Die Frequenz der roten Lampen mache die farbigen Platten dann klar und durchsichtig, erläutert Sara Dietrich.

Wer auch im letzten Jahr die Lichtkunstausstellung im Kunstkloster besucht hat, der konnte eines ganz deutlich feststellen: Es gibt einen großen Kontrast zwischen den beiden Ausstellungen. „Der ist durchaus gewollt“, wie die Kunsthausleiterin ausdrücklich betont. Schwierig sei jedes Mal die Gestaltung des großen Saals, denn: „Wir haben hier viel Volumen im Raum.“ Einfacher ist da die Gestaltung der Nebenräume: Im Kapitelsaal lädt die Licht-Sound-Arbeit „Zoom“ zu einer längeren Betrachtung ein; zarte Strukturen fließen, halten inne, werden untermalt von Klang. Im Gewölbe sind dagegen gleich zwei Installationen zu sehen. Im vorderen Bereich lädt die Arbeit „Frequenzies“, die entfernt an eine flache Muschel erinnert, durch ihre Farbigkeit und Form zum Betrachten ein. Auf einem Spiegel stehend fordert das Objekt heraus, Grenzen wahrzunehmen. „Wir haben wirklich das Gefühl, das ist eine Spiegelfläche“, beschreibt es Sara Dietrich und erklärt auch gleich das zugehörige Problem bei der Betrachtung: „Was ist unser Wissen und was passiert, wenn unsere Vorstellung dazukommt?“ Im hinteren Bereich taucht ein Videomapping des Knüllobjekts aus dem Saal das Gewölbe in buntes, warmes Licht, das einen Kontrapunkt zum kalten Stein des Raumes setzt.

Ganz verschiedene Assoziationen kamen bei den Besuchern der Ausstellung auf, wie im Rahmen des Künstlergesprächs bei einer Publikumsbefragung deutlich wurde. Und das sei auch gewollt, wie Sara Dietrich erklärt, denn Tatjana Busch wolle keine klare Botschaft senden. Dafür aber wolle sie unterschiedliche Erfahrungsmöglichkeiten bieten, ein Gefühl der Ergriffenheit beim Betrachter erreichen.

Interessierte finden hier Infos zur Ausstellung:

https://www.da-kunsthaus.de/programm/winterlicht/

Bericht: Claudia Ludewig. 

Hier geht´s zur Bildstrecke:

https://www.kirchenkreis-tecklenburg.de/presseportal/bildstrecken

 

 

 

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