Unter der musikalischen Projektleitung von Ulrike Lausberg reichte die sorgfältige Stückauswahl durch Jahrhunderte und Jahrzehnte – von Chorälen und klassischen Kompositionen bis zu Popmusik. Violine, Saxophon, Querflöte und Oboe bereicherten den Orgelklang. Im ausführlichen Programmheft fanden sich zudem spannende Informationen zu den drei Orgeln, ihrer Geschichte und ihren klanglichen Besonderheiten. Schnell wurde deutlich: Dieser abwechslungsreiche Abend bot weit mehr, als der Name „Orgelnacht“ zunächst vermuten ließ. Wie unmittelbar die Musik begeisterte, zeigte sich besonders in der evangelischen Stadtkirche Lengerich: Nach Ulrike Lausbergs Interpretation von „Power of Life“ brach spontaner Zwischenapplaus aus. Ein Lichtblick, der vielen in Erinnerung bleiben dürfte.
Knapp 80 Menschen nutzten den Busservice aus dem Kirchenkreis und erreichten gegen 16.30 Uhr die evangelische Kirche in Ladbergen. Dort standen bereits Getränke bereit. Abiturientinnen und Abiturienten des Graf-Adolf-Gymnasiums Tecklenburg sorgten für die Bewirtung, begleiteten die Fahrt und kümmerten sich aufmerksam um das Drumherum. Das Konzept kam an: „Wunderbar. Man muss nicht mehr selber los“, lautete eine Rückmeldung. Neben Gästen früherer Orgelnächte waren viele erstmals dabei. „Endlich kann ich das mitmachen. Ich war lange familiär gebunden und habe mich wirklich darauf gefreut und bin bis jetzt überhaupt nicht enttäuscht“, erzählte eine mitfahrende Person.
Sonnige Klänge zum Auftakt
Vor gut 120 Zuhörenden begann um 17 Uhr in Ladbergen die erste Station im Zeichen der Sonne. Marc-Antoine Charpentiers Prélude aus dem „Te Deum“ für Saxophon und Orgel eröffnete das Konzert. Pfarrerin Dörthe Philipps begrüßte die Gäste und führte später mit einer humorvollen Geschichte über das Wort „Fixstern“ in ihren geistlichen Impuls ein. Die Sonne als Bild für Licht und Orientierung stellte den Bezug zum Motto des Abends her.
Edvard Griegs „Morgenstimmung“, gespielt von Christiane Harig an der Querflöte und Ulrike Lausberg an der Orgel, wurde für eine mitfahrende Person zum persönlichen Höhepunkt. Einen weiteren Sonnenstrahl setzte „Morning of My Life“ von Barry Gibb: Ellen Eilermanns Violine und Burghard Corbachs Saxophon verbanden sich mit der dezent begleitenden Orgel zu einem berührenden Gesamtklang. Besonders der warme, ausdrucksvolle Saxophonton des aus Köln kommenden Corbach harmonierte wunderbar mit Violine und Orgel. Eilermann war kurzfristig für die erkrankte Sängerin Maria-Christina Tsiakourma eingesprungen.
Kräftig stimmten die Gäste in „Die güldne Sonne voll Freud und Wonne“ ein. Ein weiterer Höhepunkt war Lothar Graaps „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ für Violine, Saxophon und Orgel. Im ausdrucksvollen Zusammenspiel setzte der Ladberger Organist Edwrin Kohnhorst besondere Akzente. Eine kleine Passage ließ eigens aufhorchen: Hier wurde Psalm 19 gelesen, nur von zarten Orgeltönen unterlegt. Ein geistlicher Impuls mitten in der Musik – und für eine Besucherin ein besonderer Glücksmoment.
Lengerich lässt die Orgel leuchten
Fast zeitgleich mit dem Aufgang des Vollmonds erreichten die Busse gegen 18.50 Uhr die evangelische Stadtkirche Lengerich – passend zum zweiten Thema des Abends. Über 140 Menschen versammelten sich im Kirchenraum im Zeichen des Mondes. - Den getragenen Auftakt gestalteten Stefanie Bloch an der Oboe und Rebekka Follert an der Orgel mit Johann Ludwig Krebs’ Fantasie f-Moll. Ihr Zusammenspiel eröffnete einen ruhigen Klangraum. Anschließend begrüßte Superintendent André Ost die Gäste. Während draußen die Livemusik des Streetfood-Festivals vom lebhaften Treiben in der Stadt kündete, konnten sich die Zuhörenden drinnen auf die besondere Konzertatmosphäre einlassen. In seinem geistlichen Impuls knüpfte Ost an Matthias Claudius’ „Der Mond ist aufgegangen“ an. Mondlicht beseitige die Dunkelheit nicht, schenke aber Orientierung, Geborgenheit und Hoffnung. So könne auch der Glaube durch schwere Zeiten tragen: Nicht jede Frage werde beantwortet, doch manchmal genüge ein Lichtschimmer für den nächsten Schritt. Beim gemeinsamen Lied übernahm Violinistin Ellen Eilermann zwei Strophen solistisch im Wechsel mit den Gästen.
Zum herausragenden musikalischen Erlebnis wurde Lausbergs Interpretation von „Power of Life“ des norwegischen Komponisten Mons Leidvin Takle aus „Festivity: The Organ of Today“. Von zarten, zurückgenommenen Passagen bis zu kraftvoller Klangfülle schöpfte sie die Möglichkeiten der Breidenfeld/Klais-Orgel aus. Immer neue Registerfarben ließen aufhorchen. Die Musik berührte und begeisterte – so sehr, dass sich die Freude des Publikums unmittelbar im spontanen Applaus entlud. Mit Michael Schütz’ „Five down“ setzte Rebekka Follert einen glänzenden Schlusspunkt. - Danach hatten die Abiturientinnen und Abiturienten im Gemeindehaus ein Fingerfood-Buffet vorbereitet. Bei einem Glas Wein und kleinen Speisen tauschten sich die Gäste über das Erlebte aus. Gelobt wurden die Organisation, der Zusammenhalt und die Gelegenheit, Kirchen und ihre Instrumente kennenzulernen. Die musikalische Vielfalt zeigte zudem, wie lebendig und zeitgemäß Orgelmusik sein kann.
Unter dem Mond zur letzten Station
Bei regen Gesprächen ging die Busfahrt weiter nach Laggenbeck. Kurz vor 22 Uhr erreichten die Gäste die Johanneskirche, über der der Vollmond stand. Rund 110 Zuhörende fanden sich hier zur späten Stunde ein. Auch der Besuch einzelner Konzerte war möglich. Die letzte Station galt den Sternen. Pfarrerin Lena Stubben richtete in ihrem geistlichen Impuls „Unter den Sternen Abrahams“ den Blick auf die Geschichte des biblischen Erzvaters: Der Blick zum Himmel löse nicht sofort alle Probleme, könne aber aus gedanklicher Enge herausführen und Hoffnung schenken. „Sterne leuchten in der Dunkelheit – nicht statt ihrer“, sagte Stubben. Solche Lichtpunkte gebe es auch im Alltag: Menschen, die beistehen, ermutigende Worte und Augenblicke des Staunens. Wie der Sternenhimmel könne auch die Musik Räume öffnen und über den Alltag hinausweisen.
Neben klassischen Stücken gelang mit „Send Me an Angel“ von Rudolf Schenker, bekannt durch die Scorpions, ein eindrucksvoller Brückenschlag zur modernen Musik. Violine, Saxophon und Orgel verliehen dem Stück eine besondere Klanggestalt. Darauf folgte das bekannte Stück „Strangers in the night“, wo viele Füße in den Kirchbänken wippten und manch einer gerne die Strophen mit Ellen Eilermann gemeinsam gesungen hätte.
Gemeinsam sangen dann alle „Nun ruhen alle Wälder“. Einen weiteren Höhepunkt gestaltete der örtliche Organist Michael Kimmel mit Johannes Brahms’ Choralvorspiel zu diesem Lied. Gefühlvoll brachte er leise wie kraftvolle Töne zur Geltung. Seine fein abgestufte Interpretation ließ die frisch restaurierte Klaßmeier-Orgel in ihrer Vielfalt erleben. Superintendent Ost sprach Gebet und Abendsegen. Nach dem gemeinsam gesungenen „Bewahre uns, Gott“ dankte er den Mitwirkenden mit kleinen Präsenten. Sein Dank schloss die Organisten der vorherigen Stationen ausdrücklich ein. Kurz nach 23 Uhr endete ein Abend voller Musik und Gemeinschaft. „Ich wüsste nicht, was besser gewesen wäre als einen Samstagabend so zu verbringen“, fasste eine Stimme aus der Reisegesellschaft die Stimmung zusammen. Eine besonders gelassene Begleiterin hatte ebenfalls allen drei Konzerten gelauscht: Rauhaardackeldame Una verfolgte die Musik vollkommen entspannt in Herrchens Rucksack. Passend zum himmlischen Thema wurde sie kurzerhand für den Abend in „Luna“ umbenannt.
Antje Rößler
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