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Leben - gemeinschaftlich und selbstbestimmt - Neujahrsempfang der Evangelischen Perthes-Stiftung

Mit 200 Gästen aus Diakonie, Kirche, Politik und Gesellschaft fand am 29. Januar 2026 in Kamen der Neujahrsempfang der Evangelischen Perthes-Stiftung e. V. statt. Das Jahresthema 2026 "Leben - gemeinschaftlich und selbstbestimmt" wurde während der Veranstaltung facettenreich beleuchtet.

In der Kamener Pauluskirche wurde zu Beginn ein Festgottesdienst gefeiert, bei dem Pastor Dr. Jens Beckmann, Theologischer Vorstand der Evangelischen Perthes-Stiftung e. V., mit Gedanken zum "Perthes-Jahresthema" begrüßte und durch die Liturgie führte.

Pfarrer Christian Heine-Göttelmann, Theologischer Vorstand des Diakonischen Werks Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. (Diakonie RWL), hielt die Predigt. Dabei begann er mit einer persönlichen Frage, die er sich vor Kurzem - durch eine einfache Karte, die er zu Weihnachten erhielt - stellte: "Wie steht es um die weihnachtliche Besinnlichkeit?" Haben z. B. wohnungslose Menschen, die die Bahnhofsmission besuchen, besinnliche Weihnachten? Einsamkeit werde besonders an Weihnachten spürbar, wenn vergangene Geborgenheitsgefühle und Verbindungen zu Menschen fehlen. Für einen biblischen Bezug zum Thema wählte Heine-Göttelmann eine Geschichte, die im Johannes-Evangelium steht. Jesus trifft am Teich Bethesda einen Mann, der schon 38 Jahre krank war, der sagt "Herr, ich habe keinen Menschen." (Joh.1). Der einsame Mann, dem niemand zum Gesunden zur Seite steht, klagt Jesus seine Einsamkeit. Da heilt ihn Jesus. Es helfe, mit jemandem zu sprechen, um seine Einsamkeit zu durchbrechen, jemanden zu ermuntern wieder aufzustehen und sein Leben in die Hand zu nehmen, so Heine-Göttelmann. "Ich glaube, dass Sie das in Ihrer Arbeit in der Perthes-Stiftung jeden Tag machen." Kleine Taten der Barmherzigkeit sorgten dafür, dass viele Menschen weniger Erfahrungen der Einsamkeit machen: "Herr, ich habe einen Menschen. Das macht mich besinnlich."

Musikalisch begleiteten der Posaunenchor des Posaunenwerks in der Evangelischen Kirche von Westfalen unter der Leitung von Ulrich Dieckmann und Ulrike Egermann vom Fachbereich Ehrenamt, Seelsorge & Diakonie der Perthes-Stiftung den Gottesdienst.

Nach einem Ortswechsel in die Kamener Stadthalle begrüßte zunächst Michael Wermker als Kaufmännischer Vorstand die Gäste. Elke Kappen, Bürgermeisterin der Stadt Kamen, hob in ihrem Grußwort die positive Zusammenarbeit der Kamener Perthes-Einrichtungen mit den unterschiedlichen Akteuren der Stadt hervor: "Der gesellschaftliche Ton ist rauer geworden, trotzdem gibt es eine positive Grundstimmung des Miteinanders, die man wahrnimmt, wenn man in die Einrichtungen der Perthes-Stiftung kommt. Nächstenliebe, Respekt und Menschennähe sind Werte, die unsere Gesellschaft jetzt braucht. Die Evangelische Perthes-Stiftung leistet einen wichtigen Beitrag dazu."

Sina Haghiri, der als psychologischer Psychotherapeut ambulant und in einer Klinik in Einzel-, Paar- und Gruppentherapie arbeitet und erfolgreicher Podcaster und Autor ist, machte als Festredner das Publikum mit Beispielen und Experimenten zunächst auf den Unterschied zwischen Sehen und Bemerken aufmerksam. Wir bemerken nicht alles, was wir sehen! Laut einer Studie sind viele Menschen in Deutschland mit ihrem Leben zufrieden - jedoch gibt es eine riesige Diskrepanz zwischen der Selbst- und der Fremdeinschätzung: "Vieles ist besser, als wir denken, und vor allem besser, als wir es spüren!" Das Menschenbild werde durch Pessimismus negativ verändert und führe erst zu Misstrauen und später zu Isolation.

Haghiri zog eine Parallele zwischen Nahrung und Information: der menschliche Körper sei evolutionär so geprägt, dass Salz, Zucker und Fett überlebensnotwendig gewesen seien und daher bevorzugt werden. In heutigen Zeiten gebe es ein Überangebot dieser Nahrung, so dass die Menschen bewusst auswählen müssten, was ihr Körper brauche. Diese Tatsache sei 1:1 auf Informationen übertragbar. So blieben gefahrvolle oder negative Erfahrungen und Informationen aufgrund der menschlichen Evolution weiterhin besser im Gedächtnis als gute Nachrichten. "Was helfen kann, sind Personen, Vorbilder und Geschichten, um gegen negative Menschenbilder anzuarbeiten." Problematisch sei das Überangebot an Informationen, aus denen gezielt ausgewählt werden müsse - ähnlich wie bei der Nahrung.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Perthes-Leitenden aus den Bereichen Altenhilfe, Suchthilfe und Behindertenhilfe, Sina Haghiri, Dr. Jens Beckmann und Christian Heine-Göttelmann ging es weiter um das Themenspektrum Einsamkeit und wie man Menschen befähigen kann, mit äußeren Umständen und negativen Nachrichten besser umzugehen, um so gegen Gefühle der Machtlosigkeit anzugehen. Ein erster Schritt sei Akzeptanz von Unveränderbarem und die Erweiterung von eigenen Handlungsoptionen, so Haghiri.

Helga Maday, Einrichtungsleitung im Perthes-Haus Kamen, beschrieb eindrücklich die Reaktionen der Bewohner*innen der Altenhilfe-Einrichtung während der Corona-Pandemie: "Deutlich wurde die positive Sicht der Bewohnenden, die während des Lockdowns meinten: "Wir haben schon viele belastende Situationen überstanden, also werden wir auch das überstehen." Bei der Diskussion rund um das Thema Einsamkeit gehe es darum, wie die Evangelische Perthes-Stiftung als Unternehmen in den verschiedenen Hilfe-Settings Einsamkeitserfahrungen aufnehmen und Begegnungsmöglichkeiten schaffen könne, um Einsamkeit entgegenzuwirken, so Beckmann. Teil eines Teams zu sein, ein "Wir-Gefühl zu entwickeln", könne beispielsweise dazu beitragen, Einsamkeitsgefühle zu verringern - sowohl bei den Bewohner*innen und Klient*innen als auch bei den Mitarbeitenden, so eine der Erkenntnisse aus der angeregten und interessanten Diskussion, die Theorie und Praxis verzahnte. Die Kontakt- und Beratungsstelle, der die Kollekte aus dem Festgottesdienst zu Gute kommt, ist als niedrigschwelliges neues Angebot, ein sehr gutes Beispiel für diesen Ansatz.

Während des Tages nutzten die Gäste die Gelegenheit, zwei ausgestellte interaktive Kunstprojekte aus Perthes-Einrichtungen anzuschauen: "Steine im Strom des Vergessens", ein Projekt aus dem Café Clemens, das sich mit dem Thema Demenz auseinandersetzt, sowie "Wovon träumst du?", eine Ausstellung die von Bewohner*innen des Perthes-Hauses Hamm konzipiert wurde.

Emily Otto und Dominik Maxelon sorgten als Teil der Formation "Jazz-Generation" mit stimmungsvollen Klängen für eine schöne musikalische Atmosphäre während des Empfangs, die Perthes-Service GmbH war für das leibliche Wohl verantwortlich und versorgte die Gäste bestens.

Bericht: Imke Koch-Sudhues, Perthes-Stiftung. 

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