„Schön, dass Sie da sind“ begrüßte Marita Enseling die Gäste. „Als weltweite Gemeinschaft von Christinnen und treffen wir uns am Weltgebetstag, dem 6. März, zum gemeinsamen Gebet. Diesen Tag feiern Menschen aus über 150 Ländern der Erde“. Das hoffnungsverheißende Motto des Weltgebetstags 2026 heißt: “Kommt! Bringt eure Last“. Es sei verbunden mit Jesus Zuspruch aus dem Matthäus-Evangelium:“ Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“, so Marita Enseling weiter. (Matth. 11, 28-30). „Die Frauen aus Nigeria haben sich bewusst für diesen Text entschieden. Bei Jesus finden wir Ruhe, er verschafft uns eine Pause. Jesus will Lasten und Sorgen mittragen“. Mit der Aussage:“ Nehmt auf Euch mein Joch“ meine Jesus ein Tragejoch. Es unterstützt und bringt Ausgleich – die Lasten werden verteilt! „Gegenseitige Unterstützung, das sich Umeinander Kümmern, stärkt. Die Lasten verschwinden nicht einfach. Doch, wer von Jesus lernt, der wird Erleichterung erfahren. Die Lasten werden leichter, wenn sie in der Gemeinschaft getragen werden“ führte Marita Enseling aus.
Das Vorbereitungsteam mit Mechthild Fislage, Pastoralreferentin Nicole Küdde, Brigitte Remke, Pfarrerin Claudia Raneberg, Marita Enseling, Petra Thalmann, Mechthild Wauch-Kubischek hatte den Saal wieder liebevoll dekoriert: auf den Tischen lagen kleine Steine als Symbol für unsere Sorgen. Die gestaltete Mitte stellte die reichhaltige Natur (mit Blumen und Früchten) aus Nigeria und handgefertigte Produkte dar. Doch sie wies auch auf die Umweltkatastrophe 2011 hin, die von großen Ölfirmen wie beispielsweise Shell verursacht wurde und schlimmste Folgen für die Bevölkerung hat. Gegen Shell laufen derzeit in Großbritannien viele Gerichtsverfahren.
„Das Internationale Komitee für den Weltgebetstag wählt die Länder, die den Weltgebetstag vorbereiten, vier Jahr im Voraus aus. Die aktuellen politischen Ereignisse konnten deswegen nicht miteinbezogen werden“ informierte Marita Enseling die Besucher. Nigeria sei das bevölkerungsstärkste Land Afrikas und habe eine sehr junge Bevölkerung. Dank der Ölindustrie sei das Land wirtschaftlich stark. Das Thema Korruption sei nicht einzudämmen. Die Inflationsrate liege bei über 30 %. Ein weiteres Problem seien die explodierenden Preise. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt in Armut. „Nigeria ist ein Land im Abwärtstrend“ so Marita Enseling weiter. Auch die Piraterie im Golf von Guinea und die Angriffe auf humanitäre Hilfsorganisationen stellten große Herausforderungen dar. Terrorgruppen entführten Christen, um Lösegeld zu erpressen. Die Sicherheit der Christen müsse verbessert werden. Das Besondere an Nigeria mache die enorme Vielfalt und Widersprüchlichkeit aus. „Die Frauen und die Umwelt leiden unter den gleichen patriarchalen Strukturen. Im Weltgebetstags-Gottesdienst erfahren die Menschen, wie sie Hoffnung bekommen, im gemeinsamen Gebet für Frieden, Gerechtigkeit und Würde. Wir sind eingeladen, um mit den Anderen für eine gemeinsame Zukunft zu beten“ appellierte Marita Enseling an ihre Mitstreiterinnen aus den Gemeinden.
Gudrun Schwager übte am Klavier die Weltgebetstags-Lieder mit allen ein und erklärte die musikalischen Hintergründe. In einem Lied heißt es „Bist Du traurig oder einsam, fühlst du deinen Schmerz?“ Und im Refrain:“ Beten, Hoffen, Singen, Lieben, Gott ist für dich da“. „Die Nigerianer singen gerne mehrstimmig“ meinte sie. War sie mit dem Gesang der Beteiligten eines Liedes nicht einverstanden, hieß es schon mal:“ Das war jetzt nicht so überzeugend“. Doch sie motivierte alle zum mutigen Singen: “Sollte der ein oder andere Ton mal nicht sitzen, ist das nicht so schlimm“, meinte sie schmunzelnd.
Die Teilnehmenden aus den Gemeinden wurden umfassend, auch mit Präsentationen und Videos über das afrikanische Land, informiert: “Über die Hälfte der Nigerianer lebt in Städten oder Slums. Im Norden liegt die Sahelzone. Das Zentrum des Landes ist überwiegend von Ackerflächen und Feucht-Sawannen oder Regenwald geprägt. Die Bodenschätze sind Erdöl, Gas und verschiedene Mineralien. Trotz des Rohstoffreichtums ist Nigeria eines der ärmsten Länder der Welt. Die Gegensätze zwischen Reich und Arm sind groß. Nigeria sei ein hartes Pflaster. Doch: Die Nigerianer tragen die Lasten nicht allein. Die Nigerianische Gemeinschaft bietet Hilfe und Heilung“. Der Norden des Landes ist arm, dort leben vorwiegend Muslime. Im wohlhabenden Süden leben die Christen. Durch Attacken sind 27 Mio. Menschen getötet worden. Die bewaffnete Gruppe „Boko Haram“ entführte im November 2025 300 Grundschulkinder und einen Lehrer und verschleppte sie. Sie kamen kurz nach Weihnachten wieder frei.
Religion spielt in Nigeria eine bedeutende Rolle. Evangelikale Prediger haben viel Zulauf und machen den christlichen Kirchen damit Konkurrenz. Weitere Informationen zur Bildungssituation sind für uns unvorstellbar: 18,5 Mio. nigerianische Mädchen gehen nicht zur Schule. Die Schulpflicht gilt nur bis zum 15. Lebensjahr. Andererseits sind Frauen heute der zentrale Motor der nigerianischen Wirtschaft. Nigeria hat eine der höchsten Mütter- und Kindersterblichkeit weltweit. Ein weiteres Problem: Es gibt viele Binnenflüchtlinge.
“Das sind beeindruckende Informationen, die wir hören und Bilder, die wir sehen“ fasst Pfarrerin Claudia Raneberg die Eindrücke zusammen. Die Ölkatastrophen werden in der Liturgie des Weltgebetstags ausgeblendet. Ich empfehle den Vorbereitungsgruppen, dieses Thema kurz anzumoderieren, um darüber zu informieren“. Mit dem Lied „Komm zu mir: Bist du kraftlos und erschöpft, fühlst dich einsam und geschwächt, dann kannst du auf Jesus zählen, denn er sagt: Komm her zu mir“ ging es vom Informations-Input fließend in die Kaffeepause über. Gut informiert und angeregt von den vielen Impulsen stärkten sich die Frauen bei landesüblichem Kokosgebäck.
Bericht: Christine Fernkorn.