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„Jeder bringt etwas ein, daraus entsteht das Gemeinsame“ – Oldtimer-Trecker-Gottesdienst in Lengerich

Düstere Wolken über der Stadtkirche und leichter Nieselregen machten dem Oldtimer-Trecker-Gottesdienst rund um das alte Gemäuer mitten im Stadtkern einen Strich durch die Rechnung. Unter dem Motto „Zylinder, Zeit, Zusammenhalt“ hatte die evangelische Kirchengemeinde zur Premiere des Events eingeladen.

Eckhard Vietmeier, Mitglied des Presbyteriums und der Traktorenfreunde Lengerich, erinnert sich noch gut an einen stimmungsvollen Biker-Gottesdienst im Frühjahr. Warum nicht auch mal einen Gottesdienst zwischen alten Schleppern und Traktoren gestalten, hätten sich Pfarrer Dirk Heckmann und er selbst seinerzeit gefragt.

Vietmeier ließ sich nicht lange bitten, stieg in die Planung ein, machte in Rücksprache mit der Kirchengemeinde einen Termin fest und schrieb viele Liebhaberinnen und Liebhaber der alten Gefährte im gesamten Kreis Steinfurt an. Dass es von den 50 bis 60, die es hätten werden können, lediglich ein knappes Dutzend war, das sich übersichtlich auf dem Platz rund um die Kirche verteilte, sei dem Wetter geschuldet. Davon sind Dirk Heckmann, seine Kollegin Martina Bartling und die Traktorenfreunde um Vietmeier überzeugt.

Auch wenn das Glockengeläut nur wenig Mühe hatte, die wenigen herannahenden Einzylinder zu übertönen, und von allem ein wenig Mehr schön gewesen wäre, feierten die Traktorenfreunde und -freundinnen gemeinsam mit der Gemeinde, mit dem Posaunenchor unter der Leitung von Rebekka Follert sowie Martina Bartling und Dirk Heckmann einen stimmungsvollen Gottesdienst.

„Wir sind traurig, dass wir nicht draußen bei strahlendem Sonnenschein feiern können, aber wir freuen uns, dass es solche Trecker gibt“, macht Bartling in ihrer Begrüßung deutlich. Heckmann spannte in seiner Predigt den Bogen vom „Zylinder“ zur „Zeit“ und zum „Zusammenhalt“. Ein Zylinder, ein Herzschlag, ein einzigartiger Mensch. „Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin“, zitierte Heckmann aus Psalm 139. Zwei Zylinder, zwei Kräfte und die Frage, „wofür arbeiten wir?“ Das Leben reiche so viel weiter als die Arbeit, fuhr Heckmann fort. „Der Mensch braucht Zeit“, zum Beispiel für Menschen, für Gespräche, für Ruhe oder für Freude. „Gott sieht den Menschen vor der Arbeit“, bringt er es auf den Punkt. Vier Zylinder und die Gewissheit „Zusammen sind wir stark“. Zusammen entstehe etwas, was allein nicht möglich sei. Das gelte unter anderem für einen Betrieb, für eine Kirchengemeinde und die ganze Gesellschaft. „Jeder bringt etwas ein, daraus entsteht das Gemeinsame“. 

Die alten Maschinen erzählten Geschichten, und Geschichte bleibe lebendig, wenn Menschen sie einander zeigten, versicherte Pfarrer Heckmann. Menschen kämen zusammen, stünden neben Maschinen, Erinnerungen würden wach, dazwischen die Feier des Gottesdienstes und die Gewissheit „Du bist nicht allein“.

Pfarrerin Bartling beschrieb den Gottesdienst als gutes Beispiel für einen Vierzylinder, für viele Kräfte, die ineinandergreifen, und lud die Gemeinde noch zum Kaffee und zum Austausch ins Gemeindehaus ein.

Der älteste Schlepper, der vor der Stadtkirche stand, war ein Lanz Bulldog, Baujahr 1950. „Ein Zylinder, 10300 Kubikzentimeter, 45 PS“, zählte Manfred Saatkamp stolz auf. Das Besondere an dem Fahrzeug, das der 82-Jährige seit dem Jahr 1980 besitzt, sei die Seilwinde hinten. Die sei nützlich, wenn man Bäume abtransportieren wolle, beschreibt er die Funktion. Was Saatkamp an dem Gefährt liebt, ist der laute Klang, der schon von weither zu hören sei. 

Bericht: Dietlind Ellerich

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