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„Ich möchte für Gott und die Menschen da sein“- Interview mit Pfarrerin Sigrid Holtgrave

Pfarrerin Sigrid Holtgrave ist seit 38 Jahren Pfarrerin im Kirchenkreis Tecklenburg und Synodalbeauftragte für das Gustav-Adolf-Werk. Sie kam 1988 zunächst als Pastorin im Hilfsdienst nach Westerkappeln und war insgesamt 21 Jahre als Pfarrerin in Westerkappeln tätig. Im Mai 2009 wechselte sie in die Kirchengemeinde Lengerich.

In ihrer gemeindlichen Tätigkeit engagiert sie sich stark in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Sie war früher Mitglied der Landesleitung des VCP Westfalen (Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadinder). - Am Sonntag, 1. November, wird Sigrid Holtgrave im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Stadtkirche Lengerich von der Gemeinde verabschiedet und in den Ruhestand verabschiedet und von Superintendent André Ost entpflichtet. Öffentlichkeitsreferentin Christine Fernkorn führte ein Interview mit ihr: 

Was hat Ihnen als Gemeindepfarrerin in Lengerich besonders viel Freude gemacht?

Mir haben die Kontakte zu den Menschen am meisten Freude gemacht. Mit dem Wunsch „Ich möchte für Gott und die Menschen da sein“ habe ich mein Theologie-Studium aufgenommen. Der Schwerpunkt meiner Arbeit In Westerkappeln und Lengerich lag dabei in der Kinder- und Jugendarbeit. Besondere Freude bereiteten mir in Lengerich die Konfirmandenarbeit mit den Freizeiten, die religiöse Zusammenarbeit mit den Kindergärten, früher die Kontaktstunden an den Grundschule Intrup sowie der Weltgebetstag für Kinder. Den „Weltgebetstag für Kinder“ habe ich in Westerkappeln eingeführt und mit nach Lengerich gebracht. Im Kindergarten Widum I und im Familienzentrum Widum II wird der Weltgebetstag für Kinder mit einer Kinderbibelwoche und einem gemeinsamen Gottesdienst, zu dem auch die Eltern in die Stadtkirche eingeladen werden, gefeiert. In diesem Jahr steht Nigeria im Mittelpunkt des Weltgebetstags. Wir vermitteln den Kindern Informationen über das Land und insbesondere über die Situation der Kinder dort. Auch für die Tiere dort interessieren sich die Kinder. Dazu werden landestypische Gerichte gekostet. Ihr neues Wissen erzählen die Kinder ihren Eltern. Die Kinder sind letztendlich Multiplikatoren: sie erzählen den Eltern davon, was sie bei diesen Veranstaltungen hören und erleben. So können wir Horizonte erweitern. 

Zweimal im Jahr biete ich eine Kinderbibelwoche an. In den Herbstferien ist das Thema „Tierische Bibelgeschichten“. Mit diesen Angeboten kann ich die Freude am Glauben weitergeben, fröhlich und niedrigschwellig. Was einem selbst Freude macht, das strahlt man aus. Auch die Krippen- und Osterspiele bereiten mir viel Freude. 

Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen? 

Mir liegt die Weitergabe des Glaubens und der biblischen Inhalte am Herzen. Der christliche Glaube kann eine Vertrauensgrundlage fürs Leben sein. Daran möchte ich andere teilhaben lassen und mich gegen den Traditionsabbruch einsetzen. Deshalb biete ich den Bibelgesprächskreis an, den ich im Ruhestand auch ehrenamtlich weiterführen werde. Mir ist es wichtig, dass Kirche sich besonders für Schwache einsetzt und diakonisch tätig ist. Wir sind kein „exklusiver Haufen“. Die verschiedenen Menschen sollen sich mit ihren Anliegen in den Gemeinden gesehen wissen. 

Vor 12 Jahren bin ich zum Beispiel zum ersten Mal angefragt worden, Taufunterricht für eine iranische Familie zu geben. Wir sind gemeinsam bis zur eigentlichen Taufe monatelang die Geschichten der Bibel durchgegangen. Seitdem habe ich fast 30 Iranern Taufunterricht erteilt und sie getauft.

Auch die Arbeit des Gustav-Adolf-Werkes (GAW) ist mir ein Anliegen. Das GAW unterstützt kleine evangelische Kirchengemeinden in der Diaspora in Europa, vor allem in Osteuropa, und in Lateinamerika.  Als Synodalbeauftragte des Kirchenkreises habe ich mit den anderen GAW-Beauftragten der westfälischen Kirchenkreise Reisen zu Kirchengemeinden in Rumänien, (Siebenbürgen), Polen und Ungarn gemacht. Über meinen Sohn, der in Argentinien bei der evangelischen Kirche am Rio de la Plata ein freiwilliges Jahr absolviert hat, habe ich kleine Gemeinden dort kennengelernt. Solche Austausche und Besuche tun gut für das Arbeiten in der eigenen Gemeinde, sie lenken oft auch den Blick wieder auf das Wesentliche der Gemeindearbeit.

Was wünschen Sie der Kirchengemeinde Lengerich? 

Dass sich immer viele Menschen gesehen fühlen und die Kirchengemeinde für die Menschen da ist. Die Gemeindearbeit kann nicht nur von Hauptamtlichen geleistet werden, das ist klar. Ich wünsche der Gemeinde, dass immer genügend Ehrenamtliche darin mitarbeiten. Außerdem wünsche ich der Lengericher Kirchengemeinde, dass ihre gesetzten Schwerpunkte, nämlich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Kirchenmusik und die Arbeit mit Senioren nach wie vor einen Ort in der Kirchengemeinde haben. Ich hoffe, dass sich dafür immer Menschen mit Lust und Ideen finden, dabei aktiv zu sein.  

Haben Sie schon Pläne für Ihren Ruhestand?

Ich bin seit einem halben Jahr familiär mehr gefordert, weil mein alter Vater bei uns eingezogen ist. Früher haben meine Eltern mich und meinen Mann mit den drei Kindern entlastet, so dass ich meinen Pfarrberuf und meine Familie miteinander vereinbaren konnte. Jetzt möchte ich meinem Vater etwas zurückgeben.

Mein Mann und ich nehmen gerade den Umbau meines Elternhauses in Recke in Angriff. Wenn alles fertig ist, werden wir dorthin ziehen. Ich freue mich an der wachsenden Familie. Meine Tochter und mein Schwiegersohn werden im März Eltern, und ich Oma. Mein ältester Sohn heiratet zudem im nächsten Jahr. 

Wenn ich im Ruhestand Zeit dafür habe, möchte ich gerne wieder verstärkt Opern- oder Konzertbesuche unternehmen. Das ist ein gemeinsames Hobby mit unseren Kindern. Im Sommer arbeite ich gern im Garten, in der kalten Jahreszeit macht mir das Stricken Freude. Wichtig finde ich, regelmäßig Kontakte zu Verwandten und Freunden zu pflegen. Das ist für mich ein Rückhalt.

Im Ruhestand kann ich Dinge tun, zu denen ich sonst keine Zeit hatte. Ich freue mich, dass ich dann nicht mehr so viel Termine habe und mir aussuchen kann, was ich mache. Wenn ich irgendwo dienstlich unterstützen kann, kann ich auch mal aushelfen.

Eigentlich kann ich mich immer gut beschäftigen. Ich schaue ganz positiv in die Zukunft. Irgendwas kommt!!! Das Lutherwort vom Apfelbaum, den man gegen den Anschein und für die Zukunft pflanzen sollte, passt dazu. Ich glaube, dass Gott trotz aller schlimmen Dinge weltweit letztendlich einen guten Plan für diese Welt hat. 

 

 

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Erstellungsdatum: 15.10.2026