Im Gemeindebrief der Kirchengemeinde Kattenvenne, der Ölbergpost, schreibt sie, dass sie in den gut 14 Jahren, in denen sie über einen langen Zeitraum eineinhalb Stellen ausfüllte (in Kattenvenne und Lienen), viele schöne Erlebnisse hatte, aber auch Krisenbewältigungen leisten musste. Am Sonntag, 6. September, um 9.30 Uhr wird sie im Rahmen eines Festgottesdienstes mit Superintendent André Ost in der Ev. Kirche Kattenvenne, Buchentorstraße 8, verabschiedet. Öffentlichkeitsreferentin Christine Fernkorn führte ein Interview mit ihr.
Du hast das Gemeindeleben in Kattenvenne stark geprägt. Was ist Dir im Rückblick wichtig geworden?
„Schön finde ich, dass sich die Blickrichtung geändert hat. Nämlich, in Richtung nach vorne in die Zukunft zu schauen. Mir ist es wichtig, mit den Leuten zu arbeiten, auf Augenhöhe. Ich nehme wahr, dass es inzwischen mehr Offenheit für die Nachbargemeinden gibt. Junge Leute vor allen Dingen, Konfis, ernst zu nehmen, ist mir ein Anliegen. Ich glaube, die jungen Leute haben gemerkt, dass ich sie mag und mich für sie interessiere. Ich bin erleichtert, dass wir uns im Presbyterium den Erhalt des Friedhofs ertrotzt haben. Ich habe hier in der Gemeinde viele tolle Leute kennengelernt, die sich sehr engagieren und Ideen, Zeit und ihre Kompetenzen einbringen. In Krisenzeiten war ich sehr froh über die Unterstützung von André Ost“.
Was wünschst Du der Gemeinde im Blick auf die Zukunft? Im Gemeindebrief schreibst Du, dass zukünftig die regionale Zusammenarbeit wichtiger werden müsste.
„Ich wünsche mir Unterstützung für die, die jetzt eine ganze Menge Verantwortung übernehmen. Vor allen Dingen im Presbyterium, aber auch in den anderen Gruppen. Ich wünsche der Gemeinde Leute, die mitmachen und nicht meckern. Ich denke, dass sie mit Pfarrer Dirk Heckmann jemand haben, der anders auf die Arbeit sieht, zuhört und eine ruhige Freundlichkeit mitbringt. Ich denke, das wird der Gemeinde guttun“.
Auch in der Notfallseelsorge hast du Dich 26 Jahre lang engagiert. Was bleibt für Dich persönlich davon?
„Ich mache in der Notfallseesorge und bei den Crash-Kursen auch im Ruhestand weiter. Wir haben ein tolles Team und eine gute Zusammenarbeit. Das braucht man in dieser herausfordernden Arbeit auch“.
Im Kreissynodalvorstand hast Du Einfluss auf die Entwicklungen des Kirchenkreises gehabt und die starken Strukturveränderungen hautnah wahrgenommen. Wie kann Kirche vor dem Hintergrund der schwindenden Mitgliederzahlen und der daraus entstehenden finanziellen Engpässe heute wieder als wichtige Stimme wahrgenommen werden?
„Wenn ich das wüsste, wäre ich im Landeskirchenamt. Zum Glück nicht! Ich meine, ein sinnvolles Gemeindeleben vor Ort, das muss bleiben. Das kann jeweils unterschiedlich aussehen. Ich denke, man muss die Ortschaften in ihrer Prägung ernstnehmen und trotzdem eine Zusammenarbeit in der Region für die Zukunft entwickeln. Anders wird es nicht gehen. Einfach ist das nicht. Positive Ansätze sollten verstärkt werden gegen eine Depristimmung im Sinne von: Hier läuft gar nichts mehr. - Ideen und Anregungen gibt es sicher auch in der weltweiten Ökumene. Ich glaube, dass es auch entscheidend ist, persönliche Interessen und Animositäten hintenanzustellen. Junge Leute können über soziale Medien angesprochen werden. Neue Projekte wie die „Zukunft(s)gestalten“ mit Pfarrerin Christine Jürgens finde ich toll. Wir werden Neues wagen - und wohl auch Fehler machen.
Kirche muss authentisch sein, d.h. ihre frohe Botschaft im Mittelpunkt haben und darum eine Stimme für Leute sein, die sonst keine Lobby haben. Für Kattenvenne heißt das für mich, mit anderen gesellschaftlichen Gruppen und Vereinen zusammenzuarbeiten. Unser Dorf ist zu klein, um sich Konkurrenz zu machen. Aus meiner Sicht kommt es bei der Umsetzung neuer Prozesse sehr auf eine gute Kommunikation in der Öffentlichkeit an, damit Entscheidungen nicht willkürlich wirken, sondern verstanden werden“.
Auf was freust Du Dich im Ruhestand besonders?
„Auf Zeit für Freunde und Hobbys. Jetzt kann ich mich auch mehr um meine Gesundheit kümmern. Und: Wenn ich die Gemeinde und Kollegen unterstützen und entlasten kann, mache ich das gerne“.