Direkt im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst kamen zahlreiche Gemeindeglieder in der Friedenskirche in Wettringen zusammen, um sich zu informieren, ihre Einschätzungen einzubringen und aktiv an den nächsten Schritten mitzuwirken. Der Tenor der rund 90-minütigen Versammlung war eindeutig: Die Friedenskirche soll erhalten bleiben – gemeinsam und mit Blick auf eine tragfähige Zukunft.
Moderiert wurde die Veranstaltung vom Vorsitzenden des Presbyteriums, Sönke Delarue, der den offenen Beteiligungsprozess in den Mittelpunkt stellte. „Heute geht es nicht um eine fertige Sanierungsentscheidung, sondern um Information, Beteiligung und ein ehrliches Stimmungsbild aus der Gemeinde. Jede Stimme zählt“, betonte Delarue. Ziel sei es, die Grundlage für einen transparenten und verantwortungsvollen Weg zur Zukunftssicherung der Friedenskirche zu legen.
Die Bedeutung des Kirchortes stellte Pfarrerin Dr. Gesine Schauerte zu Beginn der Versammlung heraus. In ihrem Beitrag erinnerte sie an die Geschichte und Entstehung der Gemeinde und der Friedenskirche Anfang der 1950er Jahre. Als sogenannte Bartning-Notkirche sei das Gebäude nicht nur ein architektonisches Zeugnis der Nachkriegszeit, sondern für viele Menschen auch ein geistliches Zuhause und identitätsstiftender Ort. „Die Friedenskirche ist mehr als ein Gebäude – sie steht für gelebten Glauben, Gemeinschaft und Erinnerung“, so Schauerte.
Eine fachliche Einordnung zur baulichen Situation gab die freie Architektin Brunhilde Meier. Sie erläuterte den aktuellen Gebäudestatus und machte deutlich, dass in den kommenden Jahren Handlungsbedarf besteht – unter anderem in den Bereichen Energieeffizienz, Barrierefreiheit und technische Ausstattung. Zugleich warnte sie vor vorschnellen Schlussfolgerungen: Notwendig sei ein strukturiertes Vorgehen, bei dem Nutzung, Prioritäten und baulicher Bedarf sinnvoll aufeinander abgestimmt werden.
Im Rahmen der Versammlung wurde auch die finanzielle Dimension offen angesprochen. Grundlage bildet die Gebäudestrukturanalyse aus dem Jahr 2023, die für eine grundlegende Sanierung von mindestens 300.000 Euro ausgeht. Nach Einschätzung von Sönke Delarue dürfte der tatsächliche Sanierungsbedarf jedoch deutlich höher liegen. „Nach heutigem Stand müssen wir realistisch eher von einer Größenordnung um 750.000 Euro ausgehen“, erklärte Delarue. Zugleich machte er deutlich, dass diese Zahl keine Vorfestlegung darstelle. Entscheidend sei nun ein schrittweises Vorgehen: Zunächst müsse gemeinsam mit der Gemeinde ein tragfähiges Nutzungskonzept entwickelt werden. Erst daraus lasse sich konkret ableiten, welcher Sanierungsumfang tatsächlich notwendig und verantwortbar sei.
Deutlich wurde auch die breite kirchliche Verantwortung für den Prozess. Anwesend war das gesamte Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Neuenkirchen-Wettringen: Christiane Außendorf, Karin Beckmann, Hans-Joachim Felber, Herbert Schäfer, Sönke Delarue sowie Pfarrerin Dr. Gesine Schauerte. Die vollständige Präsenz unterstrich den hohen Stellenwert, den das Presbyterium der Beteiligung der Gemeinde und einer gemeinsamen Entscheidungsfindung beimisst.
Ein zentrales Element der Gemeindeversammlung war die aktive Mitwirkung der Anwesenden. In Stimmungsabfragen, Kleingruppen und offenen Gesprächsrunden nutzten viele Gemeindeglieder die Gelegenheit, eigene Vorschläge und Ideen einzubringen. Diskutiert wurden unter anderem zukünftige Nutzungsmöglichkeiten der Friedenskirche, bauliche Prioritäten sowie Formen der Unterstützung – von ehrenamtlichem Engagement über Projektgruppen bis hin zu Spendenaktionen und Förderideen. Die Vielzahl an Wortmeldungen zeigte eindrücklich, wie stark die Verbundenheit mit dem Kirchort ist.
Zum Abschluss rief Sönke Delarue ausdrücklich zur Mitarbeit auf. Geplant ist die Bildung einer Arbeits- bzw. Projektgruppe, die den weiteren Prozess begleitet, Nutzungsideen bündelt und gemeinsam mit dem Presbyterium nächste Schritte vorbereitet. „Der heutige Vormittag hat gezeigt, wie viel Kompetenz, Kreativität und Bereitschaft zum Mitmachen in unserer Gemeinde steckt“, so Delarue. „Darauf wollen wir aufbauen.“
Die Evangelische Kirchengemeinde Neuenkirchen-Wettringen wird die Ergebnisse der Gemeindeversammlung nun auswerten und die nächsten Schritte transparent kommunizieren. Weitere Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten sollen folgen. Klar ist bereits jetzt: Die Zukunft der Friedenskirche soll nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werden, sondern gemeinsam mit der Gemeinde.
Text: Sönke Delarue.