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„Für uns als Kirche ist es wichtig zu wissen, was mit KI auf uns zukommt“- Digitalpfarrer Christoph Martsch-Grunau referiert in der Pfarrkonferenz in Westerkappeln

Einem anspruchsvollen Thema widmete sich die Pfarrkonferenz am 13. Mai im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Westerkappeln: „Künstliche Intelligenz in der kirchlichen Arbeit“. Zur Eröffnung hielt Pfarrerin Mirjam Bernhardt eine Andacht zu einem im Predigerseminar entwickelten mutmachenden Morgenpsalm. -

„Wir kommen nicht umhin, uns mit Künstlicher Intelligenz zu beschäftigen, weil sie absehbar alle Lebensbereiche umfassen wird - auch unsere kirchliche Arbeit“, meint Superintendent André Ost. Damit stellt sich uns die Frage, wie wir mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz verantwortlich umgehen.“    

Nachdem die Kirchenleitung der westfälischen Landeskirche kürzlich eine KI-Richtlinie beschlossen hat, informierte Digitalpfarrer Christoph Martsch-Grunau aus der Oldenburgischen Landeskirche die Pfarrerinnen und Pfarrer über das Thema. Dabei wies er ausdrücklich auch auf kritische Aspekte hin. Er ist mit einer halben Stelle als Pfarrer für digitale Verkündigung im Kirchenkreis Delmenhorst-Oldenburger Land tätig. „Mir geht es darum, wie uns in Kirche digitale Methoden zweckdienlich sein können, damit wir zukunftsfähig werden.“ Bei der offen in die Runde gestellten Frage, wer KI schon einmal für seine pastorale Arbeit erprobt habe, zeigte sich, dass ein Großteil der Pfarrerinnen und Pfarrer bereits erste Erfahrungen damit gesammelt hat. „Für den normalen Arbeitsalltag, wie beispielsweise die Predigtvorbereitung oder einen Beitrag für den Gemeindebrief, bietet die KI „die Frucht der Erkenntnis“ an. KI ist ein Wahrscheinlichkeitsmodell auf der Grundlage von Trainingsdaten“, informierte der Digitalpfarrer. „KI hat ein großes Interesse daran, Sie glücklich zu machen, Sie zu bestätigen und am Ball zu halten.“ Im Kontext von Seelsorge und Beratung könne dies katastrophal sein. „KI redet zwar, hat aber eigentlich kein Verständnis davon, was passiert“, kritisierte er. Für den Zweck des Brainstormings empfehle er jedoch durchaus die Zuhilfenahme der KI. Die KI-Tools seien hilfreich, um Bruchstücke zu sortieren und einen Text sinnvoll zu gliedern. „Auch wenn es darum geht, einen Gemeindebrief-Beitrag auf 500 Zeichen zu kürzen oder ihn auf Verständlichkeit zu prüfen, ist die KI praktisch.“ Sie ermögliche auch, Texte auf die passenden Zielgruppen, beispielsweise Konfirmandinnen und Konfirmanden, zu formulieren. 

Anders sehe es allerdings bei der Vorbereitung einer Andacht zur Tageslosung für das Presbyterium aus. „Wo wir uns zu sehr auf eine Technik verlassen, geben wir das eigene Tun aus der Hand“, warnte Martsch-Grunau. „Man sollte immer aufpassen, ob die eigene Sprache authentisch ist oder ob man durch die Nutzung eines KI-Tools etwas verlernt.“ Es gelte, die Verantwortung in den Blick zu nehmen. „Überprüfen Sie die Ergebnisse, die KI Ihnen anbietet, kritisch“, so der Digitalpfarrer. Auch die Kennzeichnungspflicht bei Ergebnissen der KI sei vor dem Hintergrund des Urheberrechts zu beachten. Diskriminierende Effekte müssten ausgeschlossen werden. Das Augenmerk müsse weiterhin auf Gerechtigkeit, Diversität und Wahrhaftigkeit ausgerichtet sein. „Wir sind alle in einem Lernprozess“, betonte er. 

„Ich finde es gut, dass die Evangelische Kirche von Westfalen Ihnen KI - Leitlinien an die Hand gibt“, so der Digitalpfarrer. „Sie können die KI im Arbeitsalltag verwenden und Erfahrungen damit sammeln.“ Doch auch hier sei zu beachten: „Die Landeskirche übernimmt nicht die Verantwortung für die Ergebnisse. Sie stehen dafür gerade“, so der Referent. 

Der Einsatz von KI sei Chance und Risiko zugleich. Es sei ein Tool, um effizienter zu arbeiten. Doch Grenzen ihres Einsatzes sehe er dann, wenn Menschen ausgegrenzt oder bewertet würden. „Ich denke, es ist nicht okay, für eine Traueransprache ein KI-Tool zu nutzen, wegen der persönlichen Daten. Die scheinbare Anonymität ist schnell von KI geknackt. Seien Sie vorsichtig mit Daten, die Sie eingeben“, mahnte er. 

In Kleingruppen konnten die Pfarrerinnen und Pfarrer anhand von Beispielen aus dem pastoralen Alltag die KI-Leitlinien konkret durchspielen und darüber ins Gespräch kommen.

Bericht: Christine Fernkorn 

 

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