Unsere aktuellen Nachrichten auf einen Blick

Eine Pfadsuche ins Ungewisse mit kleinem Budget

Die Idee, eine Abenteuerreise für junge Erwachsene in den Sommerferien anzubieten, steht in guter evangelischer Ferienfreizeit-Tradition. Dies mit ungewisser Wegstrecke und möglichst kleinem Budget zu wagen, beschreibt die Idee der Evangelischen Kirchenkreis- Kooperation Schwelm (André Hagemeier) und Tecklenburg (Marilena Bekierz) ganz gut.

Vier Tage lang zu Fuß durch die Vulkaneifel von Hillesheim bis Manderscheid, dem Eifelsteig und dem Lieserpfad zu folgen und dabei auf die Freundlichkeit der Mitmenschen zu hoffen, ist ein Abenteuer für sich. Trinkwasser- und Schlafplatzsuche waren die dringlichsten Anliegen eines jeden Tages für die vier Männer und eine Frau auf ihrer Wanderung. Wie schnell man sich auf wesentliche Grundbedürfnisse besann, wurde spätestens beim Auf- und Absetzen der vollgepackten Rucksäcke klar. Platz zu lassen für die gemeinschaftlichen Vorräte musste bedacht werden und das Notwendige vom Verzichtbaren zu unterscheiden erst noch erfahren werden (Gaskocher sind notwendig- Zelte nur bedingt). 

So erwanderte die Gruppe jeden Tag ihre selbst gesteckten Ziele, trotz Knie- oder Fußschmerzen, und erfragte sich in Ortschaften Wasser, Lebensmittel oder Schlafmöglichkeiten. Schnell wurde auch klar, dass Geld eine elementare Rolle spielen kann, aber nicht unbedingt muss. Olivenöl, Eiscreme, Schwimmbadeintritt und jede weitere Form der Luxusgüter wurden schnell als solche wertgeschätzt. Sie standen jedoch in keinem Verhältnis zur Dankbarkeit gegenüber den Ortsansässigen für die Trinkwasserversorgung bei hitzigen Sommertemperaturen oder dem nächtlichen Sternschnuppenzählen.

Die eingezahlten 20 € in die Gemeinschaftskasse von jeder Teilnehmenden waren schnell aufgebraucht, wenn sie nicht für gemeinsame Lebensmittel oder Transporttickets genutzt wurden. So kostet ein Einzelticket für den Bus auf der Rückreise fast die Hälfte des eingezahlten Budgets (ca.10 €) und eine warme Mahlzeit mit allen Zubereitungskosten im Durschnitt 7 €. Die Gruppe beschloss daher die Gemeinschaftskasse, damit gemeinsames Trinkwasser als Kochwasser genutzt werden konnte. Begrenzte Öffnungszeiten und das Vorhandensein von Supermärkten wurden wichtige Informationen auf der tagelangen Wanderung. Die eigene Komfortzone zu verlassen, fremde Menschen um Hilfe zu bitten oder überhaupt anzusprechen, war ein eigenes Abenteuer für sich.

Die täglichen Wanderabschnitte des Eifelstiegs ließen sich gut für fitte Wander:innen meistern, dennoch waren die Teilnehmenden um die Abschnitte, die an Flüssen und Bächen entlang im Schatten des Waldes führten, besonders dankbar. Spontan wurde ein Regenerationstag für Knie, Rücken und Knochen am Gemündener Maar einberufen, da die Schlafplatzsuche oftmals im Biwakieren im Wald endete. 

Eine Herberge zu finden, ist auch 2000 Jahre später mit fünf jungen Erwachsenen noch eine Herausforderung. Nichtsdestotrotz gaben die Wandernden nicht auf und kamen in ihrer letzten Nacht ganz unkompliziert in der kath. Bibliothek der St. Hubertus Gemeinde in Manderscheid unter. Neben dieser besonderen Schlafstätte, - umgeben von Weltliteratur, wurde die Gruppe mit einer wunderschönen Aussicht auf die Oberburg nach einem anstrengenden Anstieg belohnt. 

Keine Selbstverständlichkeit sich nonstop zwischenmenschlich zu vertragen, Absprachen und Entscheidungen gemeinsam zu fällen und friedlich und freundlich die Wege jeden Morgen aufs Neue zu begehen. Welch ein Glück, so viel Freundlichkeit im Alltag und im Abenteuer zu erleben.

Bericht: Marilena Bekierz, JuBi Tecklenburg. 

 

Zurück