Langsam drehte sich der sechs Meter große Erdball um seine eigene Achse und gab den Blick frei auf Fotos der NASA-Serie „Visible Earth“ von Kontinenten, Ländern und Ozeanen. Er legte Zeugnis ab von der Schönheit der Erde, aber auch von deren Zerbrechlichkeit.
„Seit 200.000 Jahren schauen die Menschen zum Mond, der Musik, Mythologie und Literatur inspiriert hat“, sagte Luke Jerram in der Cathedral of the Incarnation von Garden City, New York. Aber erst seit etwas mehr als 50 Jahren könnten Menschen die „blaue Murmel“ von dort aus schwebend im Dunkel des Weltalls betrachten. Er hoffe, dass sie deren Schönheit und Zerbrechlichkeit erkennen und schützen, betonte der Künstler.
In Ibbenbüren lockte ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Lesungen, Vorträgen, einem brasilianischen Abend, Filmen, Konzerten sowie Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche über 20.000 Besucher an. Eingebettet war eine Themenwoche zum 40. Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl mit Zeitzeugengesprächen, Filmen und einem Gedenkgottesdienst am 26. April, dem Tag, als 1986 ein Reaktor des Kraftwerks explodierte und enorme Mengen an Radioaktivität freisetzte. Die Folgen sind bis heute zu spüren.
Im Abschlussgottesdienst am 3. Mai 2026 erinnerten André Ost, Superintendent des evangelischen Kirchkreises Tecklenburg, und Christine Jürgens, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Ibbenbüren, an die drei Wochen intensiver Auseinandersetzung mit vielfältigsten Facetten der Herausforderungen unserer Zeit. Unter dem Motto „Die Welt zum Klingen bringen – die Schöpfung als Resonanzraum“ forderte Kirchenmusikdirektor Christian Schauerte zu musikalischem Mitwirken auf. Christoph Moormann, der Initiator des Projekts, begrüßte die Gäste in der vollbesetzten Kirche. Eine wunderbare Liedauswahl unterstrich den besonderen Charakter des Gottesdienstes.
„Wenn ich könnte, dann würde ich“ begann Christine Jürgens ihren Predigtslam. Sie setzte sehr eindringlich den Bibeltext aus Genesis 1 in Beziehung zum Handeln der Menschen im Zeitalter von Klimawandel, Umweltverschmutzung, Kriegen, Algorithmen, vergifteten Debatten und Weltraumschrott. „Wenn ich könnte, dann würde ich an den Anfang zurück. Finsternis über der Tiefe. Und über dem Chaos: Gottes Geist“, sagte sie. Gott stehe am Beginn alles Werdens, aber die Menschheit trage gemeinschaftlich Verantwortung für ihre Zeit, für den Erhalt der einzigartigen Erde. „Werden wir?“, fragte Jürgens.
André Ost griff in Gebeten, Fürbitten und der Predigt die Psalmworte auf. „Gott will uns hineinnehmen in den großen Lobgesang, den das ganze Universum seinem Schöpfer singt“, sagte er. Alles sei dem Willen und der Macht Gottes unterstellt, nicht der Mensch sei das Zentrum von allem. „Wir betrachten die Erde oft als eine geistlose Ressource von materiellen Schätzen, die es zum Zweck der Lebensverbesserung auszubeuten gilt“, stellte er fest. Diese Haltung, die Suche nach dem „immer mehr“, müsse sich ändern. Statt ungehemmten wirtschaftlichen Wachstums sei das Zusammenwirken aller Nationen zum Schutz der Erde erforderlich. Dafür brauche es ein demütiges, ehrfürchtiges Verhältnis zum Leben, Resonanzfähigkeit gegenüber dem Wirken Gottes in der Welt und die Übernahme von Verantwortung für den Schutz der Umwelt im eigenen kleinen Bereich. Dies sei auch für die Kirchen kein Nebenthema, betonte André Ost.
Die Fürbitten appellierten an Politiker, Verantwortung zu übernehmen, baten um Schutz und Hoffnung für Menschen in Kriegsgebieten sowie um Vertrauen in die junge Generation, die erbe, was wir hinterlassen. Der Overview-Effekt der Gaia-Ausstellung werde in Erinnerung bleiben. „Er möge dazu beitragen, das Leben auf diesem Planeten zu schützen und unseren Schöpfer zu lieben, dem wir alles zu verdanken haben“, gab der Superintendent den zahlreichen Besuchern des Gottesdienstes mit auf den Weg.
Bericht: Brigitte Striehn.