Feierlich eröffnete der Posaunenchor aus Kattenvenne und Lienen (Leitung: Lukas Löffe) mit dem Osterlied „Christ ist erstanden“ den Gottesdienst. Auch der Kirchenchor aus Kattenvenne und Ladbergen (Leitung und E-Piano: Hanne Lötters) und Organist Filip Peoski gestalteten den Gottesdienst festlich. Verena Westermann eröffnete den Gottesdienst mit Versen aus Psalm 103, dem Lobgesang Davids auf Gottes Barmherzigkeit, Vergebung und Treue. Die von Presbyterin Leonie Pokrandt vorgetragene Epistel (Matth. 5,2-10) handelte von den Seligpreisungen aus der Bergpredigt.
Gerade hatte Verena Westermann mit ihrer Predigt begonnen, da wurde diese durch zwei „Geocacherinnen“ (Sabine Stephan-Beckmannn und Susanne Grugge aus Westermanns früherer Wirkungsstätte in Herzebrock-Clarholz) unterbrochen, die auf der Suche nach dem Namen der Kirche waren. Sie suchten auch nach dem wichtigsten Buch der Christen (Bibel, Grundgesetz oder Kirchenordnung?), dem Sinn der Taufe, dem Symbol auf der Kirchturmspitze, dem wichtigsten Essen der Christen und den Kirchenliedern. „Leider werden wir Christen immer wieder schuldig“, so Verena Westermann im Verlauf ihrer Predigt. Es gelte aber Gottes Zusage: „Du bist mein geliebtes Kind. Du kannst neu anfangen.“ Beim Abendmahl lade Gott alle an seinen Tisch, um Gemeinschaft und sein Wort zu teilen. „Alle sind eingeladen, ob sie Zweifler, Gleichgültige oder Christen sind“, unterstrich sie. Und weiter: „Gott sind Einsamkeit, Verzweiflung und der Tod nicht fremd. Er ist bei uns in der Krankheit, bei den Einsätzen der Notfallseelsorge, in den Krisengebieten und in Nepal, das von Schlammlawinen heimgesucht wurde.“ Sie rief die Gottesdienstbesuchenden dazu auf, von der Osterhoffnung her zu leben. Das bedeute, Menschen, die Hilfe brauchten, zu besuchen und zu helfen und sich für den Frieden einzusetzen.
Der Ruhestand von Verena Westermann sei für viele, die sie kennen, kaum vorstellbar, unterstrich Superintendent André Ost in seiner Ansprache. Insbesondere die Gemeinde Kattenvenne müsse sich erst darauf einstellen, dass die Pfarrstelle nicht mehr neu besetzt werde. „Die Situation, die jetzt in Kattenvenne entsteht, ist gewissermaßen der Prototyp einer neuen Entwicklung“, betonte Ost. Die verbleibenden Pfarrerinnen und Pfarrer teilen sich künftig den Dienst in der Region. Die Leitung der Gemeinde müssten künftig die Ehrenamtlichen übernehmen. „Das wird es jetzt öfter geben, auch wenn es sich in der unmittelbaren Nachbarschaft in Lienen, Ladbergen und Lengerich derzeit noch nicht so deutlich abspielt“, informierte er. Das sei aber nur eine Frage der Zeit. Kattenvenne sei nur der Vorreiter für eine Entwicklung, die mit Macht auf den gesamten Kirchenkreis zukomme. Die Aufgabe sei nur zu bewältigen, wenn alle gut zusammenhielten. Der Weggang von Verena Westermann nach 14 Jahren Pfarrdienst bedeute einen Einschnitt, auch für sie persönlich. Sie habe immer sehr viel Sinn und Erfüllung in ihrem Pfarrberuf gefunden.
Verena Westermann wurde im Sommer 2012 in Kattenvenne in ihre Pfarrstelle eingeführt. Die war pfarramtlich mit der Nachbargemeinde Lienen verbunden. „Die Geschichte dieser pfarramtlichen Verbindung war damals belastet“, erinnerte der Superintendent. Es sei darum gegangen, wieder Vertrauen zwischen den Gemeinden aufzubauen. Das sei Verena Westerann gut gelungen. „Du warst die lebendige Brücke zwischen den Gemeinden Kattenvenne und Lienen in den vergangenen Jahren. Du warst das Kontinuum in all den schwierigen Entwicklungen, die die Nachbargemeinde Lienen in den vergangenen Jahren erlebt hat“, unterstrich Ost. Sie habe ein hohes Verantwortungsgefühl für die Menschen und eine große Einsatzfreude gehabt. Themen wie die Ökumene und kirchenpolitische Entwicklungen seien ihr ein wichtiges Anliegen gewesen. Im Kirchenkreis habe sie etliche Jahre die Synodalbeauftragung für die Konfirmandenarbeit innegehabt und sei seit 2020 Mitglied im Kreissynodalvorstand gewesen. „Du bist darüber hinaus seit vielen Jahren ein verlässlicher Bestandteil des ökumenischen Teams der Notfallseelsorge im Kreis Steinfurt“, bemerkte der Superintendent. Auch dafür verdiene sie viel Dank und Anerkennung. Diesen ehrenamtlichen Dienst werde sie auch im Ruhestand fortsetzen. Die Kollekte des Gottesdienstes in Höhe von 812,80 € wurde folgerichtig auch für die Notfallseelsorge im Kreis Steinfurt eingesammelt. Übergangsweise werde nun Pfarrer Dirk Heckmann die pastoralen Aufgaben in Kattenvenne übernehmen. Dies erleichtere, Übergänge zu gestalten und für die Zukunft Weichen zu stellen, berichtete Ost.
Im Rahmen der feierlichen Entpflichtung aus der Pfarrstelle sprachen die beiden Presbyteriumsmitglieder Petra Waldszus-Dellbrügge und Wilhelm Fiegenbaum sowie Pfarrerin i.R. Silvia Schultz und Pfarrerin Lena Stubben Segensworte für den Weg in den Ruhestand zu. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es einen Empfang im Kirchsaal, der Gelegenheit bot, sich persönlich von Verena Westermann zu verabschieden.
Bericht: Christine Fernkorn