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Dokumentarfilm über eine berührende Reise an den Rand des Lebens - Plädoyer für einen neuen Umgang mit Abschied, Trauer und Erinnerung

Im Rahmen der Ausstellung „Was bleibt“ in der Christuskirche Ibbenbüren zeigte die evangelische Kirchengemeinde am 18. März 2026 den Dokumentarfilm „Der Tod ist ein Arschloch“ von Regisseur Michael Schwarz aus dem Jahr 2025.

Darin begleitet Kameramann Alexander Griesser sehr zurückhaltend den Inhaber des Bestattungsunternehmens „lebensnah“ und sein Team bei ihrer täglichen Arbeit. Eric Wrede war eine schillernde Figur im Musikmanagement-Business, ehe er sich zum Bestatter ausbilden ließ. Sein Leben war eine Party ohne Grenzen, bis der Tod eines nahen Freundes ihm die Augen öffnete. „Will ich das wirklich bis zum Lebensende machen?“, hatte er sich gefragt und sich für „Nein“ entschieden.

Wrede ist als „unkonventionell“ bekannt, weil bei ihm im Moment des Abschieds individuelle Wünsche der Verstorbenen, ihrer Familien und Freunde im Vordergrund stehen und nicht materielle Aspekte. „Jeder Abschied ist so einzigartig wie das Leben selbst“, stellt er fest. Pfarrerin Adelheid Zühlsdorf-Maeder von der Erwachsenenbildung des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg begrüßte die etwa einhundert Besucher im Gemeindehaus „Blick.Punkt“. Diese erlebten, wie in dem Film die Frage nach der Verdrängung von Tod und Sterben mit Wärme und handwerklicher Präzision, aber auch Humor beantwortet wurde. Den Tod ins Leben zu lassen, ist kein leichtes Unterfangen, aber es ist einen Versuch wert. „Wir wollen eine Tür aufmachen für das Bedürfnis, über das Thema zu sprechen“, sagte Wrede in Ibbenbüren. „Ich selbst habe Megaschiss vor dem Tod und keinen Bock auf Sterben“, gab er im Gespräch zu.

Der Film zeigte nüchtern, jedoch mit viel Empathie, wie das Team von Eric Wrede mit Verstorbenen umgeht. Dabei waren auch technische Probleme zu lösen, wenn beispielsweise der Sarg nicht durch ein enges Treppenhaus passte. Die liebevolle Ansprache beim Waschen und Ankleiden, das Umbetten, die Gespräche mit Angehörigen, die Gestaltung der Trauerfeier oder die allerletzte Reise zum Friedhof hat das Filmteam mit viel Fingerspitzengefühl eingefangen. „Der Respekt vor dem Leben endet nicht mit dem Tod“ ist einer der Grundsätze. Eine Gruppe von Konfirmandinnen und Konfirmanden berichtete von ihren Erfahrungen und übte „Probeliegen“ in einem Sarg. Er selbst habe das noch nie getan, so Wrede. Seine Mitarbeiterinnen erzählten, warum sie diesen Beruf gewählt haben. 

„Wir wollen Abschiede so gestalten, wie wir sie selber gerne hätten“, erzählte Wrede. Dann kann die Urne auch in einem umgebauten Lastenfahrrad von einem Tross radelnder Freunde begleitet werden. „Der Tod ist ein Arschloch, weil es keine finale Lösung gibt - ein Mensch ist weg und wir werden ihn immer vermissen“, wurde im Film gesagt. Aber es sei wichtig, Trauer zuzulassen und nicht zu verhindern“, betonte Wrede. Es sei ihre Aufgabe als Bestatter, in Gesprächen bereits Vorhandenes zu verstärken. Endlichkeit vor sich zu haben, könne hilfreich sein, auch für die Mitarbeiter. Er halte Friedhöfe für wichtig, sie könnten Trauernde an einem Ort zusammenführen. 

In der Diskussion erzählte Eric Wrede von den Dreharbeiten die fast zwei Jahre gedauert hatten. „Bestatten ist eine Technik, aber es ist eine Kunst, Trauern zu ermöglichen“, sagte er. „Wo sind die Menschen, denen ich fehlen werde?“, sei eine entscheidende Frage. Diese sollten in die Planung der Abschiedszeremonie einbezogen werden. Für einige der Zuschauer war der krasseste Moment die Abholung des Sarges, die das Endgültige sichtbar machte. Die Sequenz, als sich die Tür des Ofens im Krematorium schloss, war zutiefst ergreifend. Auch die Kosten wurden angesprochen. Eine Beerdigung ist sehr teuer, nicht jeder kann sich die von ihm gewünschte Form leisten. Am Büchertisch der Buchhandlung Am Alten Posthof konnten die Besucher Wredes Bücher „The End – das Buch vom Tod“ und „Auf Leben und Tod“ erwerben, die der Autor gern signierte.

Bericht: Brigitte Striehn.

 

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