„Die Ausrichtung auf die Zukunft betrifft auch die Frage nach dem weiteren Weg des Kirchenkreises Tecklenburg“, stellte André Ost fest. „In der heutigen Synode geht es um die Zukunftsperspektive für unseren Kirchenkreis im Zusammenhang eines Zielbildes mit unseren beiden Nachbarkirchenkreisen Münster und Steinfurt-Coesfeld-Borken. Wir haben in den vergangenen Jahren gemerkt, dass wir bei manchen Entscheidungen nicht mehr gut vorankommen, wenn wir kein Zielbild vor Augen haben“, erklärte er vor der Synode. Dies betreffe zum Beispiel die Struktur der Kindertagesstättenarbeit, aber auch die Themenfelder Diakonie oder die Präventions-, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.
„Wir dürfen nicht so lange warten, bis sich unsere Körperschaften nicht mehr leiten, unsere Gremien nicht mehr besetzen, unsere Arbeitsbereiche nicht mehr finanzieren lassen, weil uns irgendwann die Ressourcen dafür fehlen. Wir dürfen diejenigen, die im nächsten Jahrzehnt in der Haupt- und Ehrenamtlichkeit mit all den Herausforderungen konfrontiert sein werden, nicht allein lassen. Wir haben es jetzt mit ihnen zu gestalten“, mahnte der Superintendent. „Wenn wir uns heute in der Synode für den gemeinsamen Weg mit unseren Nachbarkirchenkreisen offen zeigen und einen Prüfauftrag für eine künftige Fusion auf den Weg bringen, dann ist eine Perspektive ausgelegt für die kommenden Jahre.“ Das Entscheidende von Kirche vollziehe sich ohnehin im Nahbereich, wo Menschen Gemeinschaft mit Gott und untereinander erfahren können. Dies solle erhalten bleiben. Durch die Zusammenarbeit und Bündelung der Kräfte könne eine Gesamtverantwortung für evangelisches Leben in der Region gesichert werden, betonte André Ost. „Die Zukunftsfrage ist eröffnet und braucht eine Klärung, damit wir in der Lage sind, für die Gegenwart die richtigen Entscheidungen zu treffen, bzw. für das Kommende die Weichen zu stellen.“
Eine gemeinsame Steuerungsgruppe hat unter Beteiligung des Kirchenkreises Tecklenburg gleichlautende Beschlussvorlagen erarbeitet, die auf den Synoden aller drei Kirchenkreise im Juni zur Abstimmung gebracht wurden. Die Kirchenkreise Münster und Steinfurt-Coesfeld-Borken haben in ihren Synoden bereits einstimmig für die Klärung der Perspektiven für ein künftiges Zusammengehen der Kirchenkreise votiert. Auf Empfehlung des Kreissynodalvorstandes stand die Erteilung eines Prüfauftrags durch die Synode nun auch im Kirchenkreis Tecklenburg zur Diskussion und Abstimmung. Der Prüfauftrag solle in seinem Ergebnis Wege aufzeigen, wie eine Vereinigung der drei Kirchenkreise in Struktur und Schrittigkeit aussehen könnte, legte der Superintendent dar.
Vor dem Hintergrund der sinkenden Mitgliederzahlen und zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen hat der Kirchenkreis ab September 2024 eine „Zukunftswerkstatt“ eingesetzt. Eine in diesem Zusammenhang durchgeführte digitale Umfrage endete mit einigen inhaltlichen Festlegungen. Den Beteiligten ging es um eine Diskussion über inhaltliche Prioritäten statt pauschaler Kürzungen. Die Ergebnisse wurden als „Richtungsentscheidungen“ über einen Synodenbeschluss Anfang Dezember 2025 gesichert.
Basierend auf diesen Richtungsanzeigen hat die AG Finanzverteilung und Finanzsatzung nun einen Entwurf für eine neue Finanzsatzung und die Finanzverteilungsgrundsätze im Kirchenkreis erarbeitet, berichtete Ost. „Es braucht den Neuansatz, der unserer veränderten Situation einer Kirche im Umbruch Rechnung trägt“, betonte er. Der Entwurf wurde bereits vorab im Rahmen einer Synodalversammlung vorgestellt. Die Grundsätze der Finanzverteilung sollen einen Geltungszeitraum von lediglich vier Jahren haben. „Den Zeitraum weiter zu fassen, macht in Zeiten, in denen sich absehbar so viel verändert, wenig Sinn“, so André Ost.
Strategische Schwerpunkte der Arbeit im Kirchenkreis werden künftig die Jugendarbeit, die Kindertagesstättenarbeit, die Kirchenmusik sowie die Diakonie, Seelsorge und Bildung sein, fasste Ost zusammen. Die Ev. Jugendbildungsstätte Tecklenburg soll als zentraler Bildungsort erhalten bleiben. Die kreiskirchliche Jugendarbeit wird auf zwei Vollzeitstellen reduziert. Geplant ist eine stärkere regionale Vernetzung im Kirchenkreis. Die Kindertagesstättenarbeit mit der größten Gruppe kirchlicher Mitarbeitender (derzeit 27 Kitas) soll zukünftig finanziell begrenzt werden. „Es wird sicher helfen, wenn wir zukünftig mit einer neuen Finanzsatzung unser Kita-Engagement deckeln“, so Ost. Das sorge für Planungssicherheit nach innen und außen. Es stelle sich jetzt die Aufgabe, viel stärker als früher darüber nachzudenken, mit wie vielen Einrichtungen und an welchen Standorten der Kirchenkreis vertreten sein wolle, so Ost weiter. Die strukturelle Zukunft des Kita-Verbundes sei noch zu klären. Der Superintendent dankte dem Geschäftsführer Ralf Evers für seine unermüdliche Verhandlungsarbeit mit Jugendämtern und Kommunen in den vergangenen Jahren. Seine Nachfolge tritt ab 1. Oktober 2026 Eckhard Kellermeier, ehemaliger Bürgermeister in Recke, an.
Als weitere Zukunftsthemen im Kirchenkreis stellte der Superintendent das Stellungnahmeverfahren für die Revision der Kirchenordnung sowie das Klimaschutzkonzept vor. „Das der Synode vorgelegte kreiskirchliche Klimaschutzkonzept macht Ernst mit dem im Klimaschutzplan der EKvW (Evangelischen Kirche von Westfalen) formulierten Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden“, berichtete Ost.