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Die Festreden verklingen – die Arbeit im Ahrtal geht weiter

„Wir sind erschöpft, aber Aufgeben ist keine Option!“ Deutlicher kann man die Lage der Menschen im Ahrtal nicht zusammenfassen. Nach drei Tagen Studienfahrt ist nicht mehr ganz sicher, wer genau diesen Satz gesagt hat. Denn er kam in jedem Gespräch vor, das die Reisegruppe der evangelischen Männerarbeit geführt hat.

Wir sind stolz auf das, was wir geschafft haben und dankbar für die Hilfe, die wir bekommen haben – und noch bekommen!“ Ein weiterer Satz, der markiert, wie es den Menschen in Ahrweiler, Rech, Kreuzberg und vielen anderen Orten im Ahrtal geht.

„Gegen das Vergessen“ war das Leitmotiv der 3. Studienfahrt, die von Männerpfarrer Karl H. Köster (Kirchenkreis Münster) und Marcel Temme vom Institut für Kirche und Gesellschaft organisiert wurde. Um zu erfahren, wie es den Menschen geht, was geschafft wurde und wie sie in die Zukunft schauen, wurden an drei Orten entlang der Ahr persönliche Begegnungen mit betroffenen organsiert. Es ist das Markenzeichen dieser Reisen - das offene, direkte Erzählen derer, die in der Flutnacht mittendrin waren, die das Entsetzliche überlebt haben. 

Die tags zuvor auf dem Marktplatz zum Gedenktag gehaltenen Reden waren längst verklungen, einschließlich einer zum ersten Mal ausgesprochenen Bitte um Entschuldigung seitens des Ministerpräsidenten, der staatliches Versagen einräumte. Nun erhielten die Teilnehmenden von ihren Gästeführern einen intensiven Blick hinter die Kulissen. Wo genau ist was geschehen? Wie haben es die Menschen erlebt, was haben sie gefühlt? Funktionieren im Ausnahmezustand, aus dem Überleben wieder ins Leben finden. 

Sehr präsent sind die Bilder der Flutnacht bis heute, es zu erzählen ist für Manche eine Hilfe, für Viele jedoch nicht. Der Schmerz ist spürbar im Tal, in jedem Gespräch, und erst recht, wenn nicht gesprochen wird. 

Nach so vielen Besuchen berührt es mich immer wieder neu, so Karl H. Köster, wie aus dem Helfen im ersten Chaos tiefe Freundschaften entstanden sind. Wie gastfreundlich eine Studiengruppe aufgenommen wird und wieviel Vertrauen über die Jahre entstanden ist.

Der Auftrag bleibt: Das im Ahrtal gesehene und gehörte mitnehmen in den Alltag, etwa ins Münsterland, ins Ruhrgebiet und sogar nach Bayern. Die Studienfahrt hatte auch geographisch einen weiten Horizont.

Schaue ich auf die letzten fünf Jahre, so Männerpfarrer Karl H. Köster abschließend, dann wird mir zugleich warm und kalt. Wärme angesichts der Herzensverbindungen die entstanden sind, jedoch Kälte angesichts der rapide nachlassenden Aufmerksamkeit für die tatsächliche Lage  und im Hinblick auf die gegen Null tendierende Unterstützungsbereitschaft, die aus der nachlassenden Aufmerksamkeit leider resultiert.

Daher sieht die Männerarbeit ihre wichtigste Aufgabe darin, die Zeit zwischen den Jahresgedenktagen mit Präsenz und Spenden zu füllen.

Text: Karl-Heinz Köster

Wer diese Arbeit unterstützen möchte oder Informationen wünscht, ist jederzeit willkommen.

Infos: karlheinz.koester@gmx.de oder 0251/8349940

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