Der Berliner Organist und Kirchenmusiker Michael Schütz fügt den traditionellen Auffassungen von Orgelmusik neue Facetten hinzu und begeistert damit ein breites Publikum. „Ich freue mich, in dieser schönen Kirche und an der schönen Orgel musizieren zu dürfen“, sagte er zu Beginn. Schütz ist Beauftragter für Popularmusik der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg.
Sein Wirken ist außerordentlich vielseitig. Er spielt Live-Konzerte, tritt im Radio und Fernsehen auf, schreibt Fachliteratur, ist mit eigenen Formationen unterwegs und begleitet bekannte Künstler wie Jennifer Rush, Gloria Gaynor oder Klaus Doldinger auf ihren Tourneen. Seit 1993 arbeitet Schütz als Dozent und Seminarleiter für den Bereich der Blechbläser, Musikgruppen und Kirchenmusiker in Verbänden und Institutionen der Landeskirchen in der EKD. Er war 1996 Bandleader und Pianist bei der Einführung des Evangelischen Gesangbuchs in Stuttgart sowie bei den Evangelischen Kirchentagen in Stuttgart, Frankfurt am Main, Köln und Bremen. Seine eigenen Kompositionen werden häufig aufgeführt. Am Samstag leitete er in Lengerich einen Workshop mit 65 Bläsern aus Posaunenchören der Region.
In seinen Interpretationen reist er durch sein eigenes Leben und schafft einen musikalischen Brückenschlag zwischen Himmel und Erde. Eine Atmosphäre zum Wohlfühlen möchte er für seine Zuhörer schaffen – dies war ihm in Lengerich in wundervoller Weise gelungen. Die Verbindung unterschiedlicher Welten führe zu emotionalen Vibrationen, die Herzen anrührten, betonte er. Den ersten Song, „Thank You For The Music“ der schwedischen Band ABBA, sah Schütz als Verneigung vor der Musik als Sprache des Lebens. Sie zeige sich in verschiedenen Ausdrucksformen, sei nicht nur Tanz, Glanz und Strahlen wie in „Dancing Queen“. Auch Klagen, Schattenseiten und „SOS“- Rufe gehörten dazu.
Das ikonische Gitarrenriff am Anfang des Klassikers „Smoke On The Water“ von Deep Purple sprengte auf der Orgel die Grenzen herkömmlicher Hörgewohnheiten. Schütz entlockte der Königin der Instrumente Gitarrenklänge legendärer Rockbands ebenso wie ein ganzes Sinfonie-Orchester. Deutlich wurde dies auch in drei Hits der britischen Rockband Queen. Dass Freddie Mercury eine starke Affinität zu Klassik, Oper und Ballett hegte, ist in vielen Songs, vor allem in der „Bohemian Rhapsody“, spürbar.
Die dreimanualige Breidenfeld-Klais-Orgel mit 37 Registern bot viele Möglichkeiten, die traditionelle Orgelmusik mit überraschenden Aspekten zu ergänzen. „Hey Jude“ von Paul McCartney entführte die Zuhörer in die grandiose Beatles-Ära und John Lennon fügte seine Utopie des Friedens mit der Hymne „Imagine“ hinzu. „Sie ist tief eingegraben in unsere christliche DNA“, stellte Schütz fest. In der Zeit des Kalten Krieges veröffentlichte der britische Sänger Sting im Jahr 1985 den Song „Russians“. Darin verlieh er der Hoffnung Ausdruck, dass auch Russen ihre Kinder lieben.
Im zweiten Teil des Konzertes stand Filmmusik auf dem Programm. Die Soundtracks zu „Goldfinger“, „Harry Potter“ und „Game Of Thrones“ waren heldenhaft oder verträumt und ließen die enorme Ausdruckskraft des Instruments aufleuchten. Fulminante Schlusspassagen und dramatische Szenen brachten die Zuhörer zum Jubeln. Einfühlsame oder energiegeladene Interpretationen weckten wunderbare Erinnerungen.
Wer im Musikunterricht bei der Notenlehre nicht aufgepasst hatte, konnte mit Michael Schütz seine Kenntnisse über Taktarten auffrischen. „Pirates Of The Carribean“ war ein monumentales Beispiel, das der Musiker ebenso bravourös meisterte wie alle vorangegangenen Stücke. Am Ende stand die Powerballade „Music“ von John Miles, ehe der Musiker mit Jubelrufen und Standing Ovations verabschiedet wurde.
Bericht: Brigitte Striehn.