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Am Reformationstag Kirchenjubiläum gefeiert - 125-jähriges Bestehen der Friedenskirche in Hörstel ist ein Grund zur Freude

Ob Martin Luther am 31. Oktober 1517 wirklich seine „95 Thesen“ an die Tür der Schlosskirche der Stadt Wittenberg nagelte, ist unter Historikern umstritten. Verbürgt ist, dass er die Disputation gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen an den Erzbischof von Mainz und einige Bekannte weitergab.

Das Schriftstück löste eine öffentliche Diskussion aus. „Luther hatte keineswegs beabsichtigt, eine neue Kirche zu schaffen, sondern strebte lediglich Veränderungen an“, erklärte Martin Pfuhl, Pfarrer der Friedenskirche, zu Beginn des Gottesdienstes am Reformationstag. Gott war für den Theologieprofessor der Universität Wittenberg „Ein feste Burg“, wie er in seinem bekanntesten Lied postulierte. 

„Heute glaubt kaum noch jemand an die Hölle, aber die Frage nach dem Sinn des Lebens bewegt die Menschen nach wie vor“, stellte Pfarrer Pfuhl fest. Er berichtete über den Bau der evangelischen Kirche auf dem Harkenberg, die am 7. April 1901 eingeweiht wurde. Seit 1993 trägt sie den Namen Friedenskirche. Mit der Gründung der Glashütte um 1890 zogen evangelische Christen in die mehrheitlich von Katholiken bewohnte Gegend. Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung stieg die Zahl der Protestanten rasch an, sodass nach einigen Provisorien innerhalb von drei Jahren der Bau von Kirche, Schule, Pfarrhaus und Gemeindehaus vollendet wurde. Die Gläubigen nahmen dafür viele Entbehrungen auf sich.

Im Festgottesdienst in der gut besuchten Kirche trat nach dem 46. Psalm der Kirchenchor unter Leitung von Olga Neugum mit dem Lied „Keinen Tag soll es geben“ auf. Sie begleitete auch den Gemeindegesang am Klavier und gestaltete an der Orgel den musikalischen Rahmen. Die Lesung aus dem 3. Kapitel des Römerbriefs trug Presbyter Hartmut Hembrock vor. Darin wird festgestellt, dass Gottes Treue und Gerechtigkeit trotz menschlicher Verfehlungen bestehen bleiben.  

„Wir haben heute Grund zum Feiern“, betonte André Ost in seiner Predigt. Der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg verband die Gründung der Gemeinde und der Kirche mit dem Reformationsfest. Er sei gern in dieser Kirche aus der Gründerzeit, die aussieht, als wäre sie Jahrhunderte alt. Die verschiedenen Phasen der Gemeindegeschichte seien nach 125 Jahren noch sichtbar. Unter Bezug auf den Bibeltext aus Matthäus 10, 26b-33 erklärte Ost, dass es heute keine Selbstverständlichkeit mehr sei, sich zum christlichen Glauben zu bekennen. Offene Ablehnung, gar Gewalt seien hierzulande jedoch kaum zu erwarten. In der Gefolgschaft Jesu war das anders. Sich zu ihm zu bekennen, war nicht ungefährlich. Aber er setzte auf Menschen, die glaubwürdige Verbreiter seiner guten Botschaft sind.

Damit schlug André Ost wieder die Brücke zu den Anfängen der Kirchengemeinde und den Beweggründen der Menschen, an dieser Stelle eine evangelische Kirche entstehen zu lassen. Derzeit sei die Frage eher, wie Christen sich bemerkbar machen in einer Welt, die von Gott nicht mehr viel wissen will. Es werde immer wichtiger, Farbe zu bekennen und Position zu beziehen, forderte der Superintendent. „Wo Menschen mit einer klaren Überzeugung und einem starken Willen miteinander unterwegs sind, lässt Gott seinen Geist wirken“, sagte er. Im Fürbittengebet thematisierte Pfarrer Pfuhl die Ängste von Menschen in Situationen, denen sie nicht gewachsen sind. Er leitete damit zum Vaterunser und der Abendmahlsfeier über. Anschließend lud er die Gäste zum gemütlichen Beisammensein ein. Bürgermeister David Ostholthoff unterstrich mit seiner Anwesenheit den Zusammenhalt zwischen politischer und kirchlicher Gemeinde. 

Bericht: Brigitte Striehn

                                                                                                                                

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