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Abend der Diakonie: Wenn die Erinnerung verblasst

Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt, verändert sich nicht nur sein eigenes Leben. Auch für Ehe- und Lebenspartner sowie andere nahestehende Menschen beginnt ein tiefgreifender Veränderungsprozess.

Vertraute Rollen verschieben sich, gemeinsame Erinnerungen verblassen und Zukunftspläne verlieren ihre Selbstverständlichkeit. Welche emotionalen Herausforderungen damit verbunden sind, stand im Mittelpunkt des diesjährigen Abends der Diakonie auf Haus Marck in Tecklenburg.

Unter dem Titel „Wenn die Erinnerung verblasst – Ein Blick auf die emotionalen Herausforderungen von (Ehe-)Partnern in der Demenzbegleitung“ gaben Barbara Grunewald und Lisa Sträter vom Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz Münster und das westliche Münsterland Einblicke in eine Lebenssituation, deren Belastungen nach außen häufig kaum sichtbar sind. „Demenz betrifft immer mindestens zwei Menschen“, machten die Referentinnen deutlich. Dabei würden besonders Lebens- oder Ehepartner im Fall einer Erkrankung eine große emotionale Last tragen: Sie übernähmen zunehmend Verantwortung für die Pflege, die Organisation des Alltags und die Gestaltung des gemeinsamen Lebens.

Eine besondere Rolle in dem einstündigen Vortrag spielte die sogenannte „Weiße Trauer“, eine Art „Trauer ohne Abschied“. Der geliebte Mensch sei auch trotz Erkrankung körperlich anwesend, emotional oder kognitiv aber zunehmend schwerer erreichbar, erläuterten Grunewald und Sträter. Für Angehörige bedeute der Verlauf einer Demenzerkrankung eine stetige Zahl kleiner Abschiede: von gemeinsamen Erinnerungen und Gesprächen, von Vertrautheit und Intimität sowie schlussendlich auch von der gewohnten Paarbeziehung. Aus der Rolle als Partner werde zunehmend die eines Pflegenden. Dabei bestehe die Gefahr, dass die eigene Identität und die eigenen Bedürfnisse immer mehr in den Hintergrund rückten. Gerade deshalb sei es wichtig, auch die Belastungen und Grenzen der Angehörigen in den Blick zu nehmen. Hilfe anzunehmen, falle jedoch vielen schwer, erklärten die Referentinnen. Schuldgefühle und Scham, aber auch der eigene Anspruch, die Situation allein bewältigen zu müssen, könnten dazu führen, dass vorhandene Unterstützung nicht in Anspruch genommen werde.

Am Ende des Abends stand deshalb eine zentrale Botschaft: Niemand sollte und muss diesen Weg allein gehen. „Entlastung und Selbstfürsorge sind keine Schwäche oder Luxus, sondern Notwendigkeiten für die Gesunderhaltung“, machte Barbara Grunewald deutlich.

Hilfe anzunehmen, sich auszutauschen und Unterstützung zuzulassen, könne entscheidend sein, sowohl für die Angehörigen selbst als auch für den gemeinsamen Weg mit dem erkrankten Menschen.

Bericht: Pia Nimz, Diakonie WesT.

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