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Stärken junger Menschen in den Fokus stellen: Prof. Dr. Farid Vatanparast referiert über sein „Herzensprojekt“

„Junge Menschen brauchen Aufmerksamkeit und Anerkennung“ so Prof. Dr. Farid Vatanparast in seinem Vortrag zum Abend der Diakonie in der Remise auf Haus Marck in Tecklenburg. „Ich sage zu ihnen: Ich bin bereit, aus euch Weltmeister im Boxen zu machen, wenn ihr selbst an euch arbeiten wollt“. Oftmals würden Erwachsene nur die Defizite der Jugendlichen wahrnehmen. Hier, so der Wirtschaftswissenschaftler, sei ein Umdenken notwendig: „Konzentrieren Sie sich auf die Stärken der jungen Menschen. Dann spüren sie nämlich, dass sie gut sind und gewinnen an Motivation“.

Farid Vatanparast ist Gründer des Projekts „Farids QualiFighting“, Ex-Profiboxer, Boxtrainer, Motivationstrainer und Unternehmer. Kurz vor der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Athen beendete ein schwerer Autounfall, bei dem er die Sehkraft eines Auges verlor, seine Boxerkarriere. Gemeinsam mit einem Augenarzt gründete er die Boxabteilung Telekom - Post SV in Münster. Aus einer einfachen Boxabteilung machte Farid Vatanparast das sozial-integrative pädagogische Konzept „Farids QualiFighting“, das 2010 auch auf die Gemeinde Ostbevern übertragen wurde.  Das Projekt wurde 2012 mit dem Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet. Schirmherrin ist der Ministerpräsident des Landes NRW. 2013 wurde mit Unterstützung des Landes NRW in Münster eine Boxsporthalle für 2 Mio. Euro errichtet.  Heute lehrt Farid Vatanparast als Professor an der FOM-Hochschule für Ökonomie und Management in Dortmund. Der gebürtige Iraner kam mit seinen Eltern im Alter von 13 Jahren nach Deutschland.

Der ehemalige Profiboxer berichtete von einem jungen Förderschüler, der mit Hilfe des Projekts und flankierender Nachhilfeangebote heute ein Jurastudium an der Wilhelms-Universität Münster absolviert. „99 % der Projektarbeit können wir nur mit der Hilfe Ehrenamtlicher leisten“, so der Referent.  Die Heranwachsenden lernen, sich respektvoll zu begegnen, mit Kritik umzugehen und ihre Stärken und Schwächen auszuloten. Der Sport habe dabei eine motivierende Funktion. Gemeinsam mit Trainern und Pädagogen wird ein „Zukunftsplan“ entworfen, der schulische, sportliche und persönliche Ziele festlegt. Derzeit haben 76 Jugendliche aus über zwölf Nationen im Box-Projekt einen neuen Halt gefunden und ihre schulischen Leistungen verbessert. Auch Schwerkriminelle, die sich am Projekt„Farids QualiFighting“ beteiligten, seien nach intensiver Begleitung nicht mehr auffällig, informierte Farid Vatanparast. Im Blick auf Migranten sollte die Politik Lösungen schaffen, damit diese auch in städtebaulicher Hinsicht integriert würden, meinte er. Ghettobildungen seien unbedingt zu vermeiden. Sein Fazit: “Die Welt ist ein schöner Platz und es ist wert, dafür zu kämpfen, dass es so bleibt“. 

Superintendent André Ost freute sich über das rege Interesse der 120 Besucher, zu denen auch Landrat Dr. Klaus Effing und Kreisdirektor Dr. Marin Sommer gehörten. Boxen gelte allgemein als ein eher wilder Sport und werde oft zu Unrecht als „halbseiden“ angesehen. Man brauche dafür allerdings sehr viel Disziplin, eine gute Kondition und klare Regeln, betonte er. Das Projekt „Farids QualiFighting“ leite Jugendliche dazu an, etwas für das Leben zu lernen. Referent Prof. Farid Vatanparast vertrete die These, dass Boxen sich hervorragend für die soziale Integration eigne. Das Thema Integration, so Ost weiter, umfasse längst nicht nur das derzeit allgegenwärtige Thema von Flucht und Migration. Es gehe darum, den Blick zu weiten für alle Menschen, die sich benachteiligt und von sozialer Teilhabe ausgeschlossen fühlten.

„Der heutige Abend hat deutlich gemacht,  wie wichtig es ist, dass junge Menschen Wertschätzung erfahren und sich anerkannt und aufgehoben fühlen“, betonte Stefan Zimmermann, geschäftsführender Vorstand des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Tecklenburg. Pfarrer Jürgen Nass, theologischer Vorstand des Diakonischen Werks, erinnerte an den Sonntag der Diakonie in Ibbenbüren, der gemeinsam mit der Jugendhilfe Münsterland, vorbereitet wurde. Auch hier habe die Integration Jugendlicher im Mittelpunkt gestanden. Im Wasserschloss von Haus Marck gab es dann anschließend Gelegenheit zum intensiven Austausch bei einem kalten Buffet.

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