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Kirchen offenhalten und fröhliche Christen bleiben - Mutmachende Botschaft von Altbischof Axel Noack zum Stiftungsjubiläum

„Nicht das objektive Kleinerwerden unserer Kirche ist das eigentliche Problem, sondern die damit allzu oft verbundene innere Haltung der Resignation“, betonte Altbischof Axel Noack in seinem Festvortrag zum 20-jährigen Jubiläum der Stiftung für denkmalwerte Kirchen im Kirchenkreis Tecklenburg. Dem Referenten ist es in den Jahren nach der Wende in der ehemaligen Kirchenprovinz Sachsen (heute Ev. Kirche in Mitteldeutschland) gelungen, fast sämtliche Kirchen zu renovieren.

Im praktischen Gemeindealltag gehe es um die Frage, wie wir trotz der krisenhaften Situation, in der wir heute leben, fröhliche Christen bleiben können und wie unsere Verkündigung fröhlich bleibe, betonte Axel Noack. „Wir sind nur auf Mitglieder und Mitgliederzahlen fixiert“, warnte er und plädierte für einen Perspektivwechsel: “Wir sehen oft nicht diejenigen, die sich beteiligen, ohne „Mitglied“ zu sein, beispielsweise in Trägervereinen oder in Chören“, so der Theologe.

Superintendent André Ost freute sich als Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung, den Gast aus Halle/Saale in der gut besuchten Stiftskirche in Tecklenburg-Leeden zu begrüßen. Die vor 20 Jahren gegründete „Stiftung für denkmalwerte Kirchen im Ev. Kirchenkreis Tecklenburg“ habe es sich zur Aufgabe gemacht, die denkmalwerten Kirchgebäude zu erhalten „Das ist vor dem Hintergrund von Mitgliederverlust und schwindender Finanzkraft nicht einfach“, sagte er und fragte: „Wie können wir einen Weg finden, dies heute zu leisten?“

„Unsere 21 denkmalwerten Kirchen im Kirchenkreis sind bis zu 900 Jahre alt“, informierte Hans Werner Schneider, Stiftungsvorsitzender und Superintendent i.R. Diese Kirchen zu erhalten, sei kein Selbstzweck. Es gehe um die Bedeutung dieser Kirchen für die Menschen. Die Kirchen würden mit der Zeit sanierungsbedürftig bezüglich der Fundamente, der Dächer und auch der Kirchtürme. Die Kosten für diese Arbeiten seien hoch. Dies sei eine Herausforderung für die Gemeinden und die Gesellschaft.

Am Beispiel der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) berichtete Axel Noack, dass es 1972 einen Masterplan der Kirchenleitung zur Einteilung der Kirchen in drei Kategorien gegeben habe. Die Frage, welche Kirchen aufgegeben werden sollten, habe im Raum gestanden. 400 Kirchen standen zu Disposition. „Dies hat glücklicherweise verhindert werden können“, so Axel Noack. Ihm sei schon damals klar geworden: Auf die Menschen „vor Ort“ kommt es an. Gesellschaftliche Aufgaben ergriffen viele Menschen lieber in ihrer räumlichen Nähe. Besonders wichtig sei: „Es braucht einige wenige, die den Erhalt ihrer Kirche zu ihrer Aufgabe machen. Eine weitere Beobachtung habe er gemacht: Oft säßen in den kirchlichen Gremien die „Bedenkenträger“ und die „Heiden“ der Gesellschaft können nicht verstehen, warum sich alles so lange hinziehe. „Die Gemeinden müssen das Projekt selbst in die Hand nehmen,“ so sein Motto. „Hoffentlich vergessen Sie das nicht so schnell in einer sich immer stärker zentralisierenden Kirche“, sagte er. Die Kirchenleitung und der Kirchenkreis vor Ort müssten genau dort helfen, wo jemand ins Elend zu rutschen drohe. „Aber sie dürfen auf keinen Fall zu viel helfen, dass die Leute träge werden“, so sein Appell. „Wir werden unsere Kirchengebäude nur so lange erhalten können, solange es Menschen gibt, die sagen: „Das ist meine Kirche!“, ist er sich sicher.

Im Blick auf die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland zeigte der Altbischof auf, mit welchen vier Merkmalen diese sich von den anderen Landeskirchen der EKD unterscheide: hier gebe es die meisten Lutherstätten und die EKM sei „steinreich“. „Sie hat die meisten Kirchengebäude der EKD“, stellte der Theologe fest. Es seien 4000 Kirchen, davon seien 2500 älter als 500 Jahre. Das vierte Merkmal: Aus der EKM komme die „richtige evangelische Kirchenmusik“. Komponisten wie Paul Gerhardt, Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach und auch Georg Friedrich Händel sind hier geboren und haben hier gewirkt. Und: In der EKM gebe es in manchen Gegenden vermutlich die wenigsten Kirchenmitglieder in der Wohn-bevölkerung, so der Referent. „Dies ist eine aparte Mischung und Herausforderung“, betonte er.  Der Reformator Martin Luther habe schon 1539 gesagt: „Wir sind es doch nicht, die da könnten die Kirche erhalten, unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen, unser Nachkommen werden es auch nicht sein, sondern der ist´s gewesen, ist´s noch und wird es sein, der da spricht: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende, Jesus Christus“. In diesem Zusammenhang sprach er sich dafür aus, als Kirche nahe bei den Menschen zu sein und zweckfrei Anteil an ihrem Leben zu nehmen.

Die Besucher dankten dem Referenten für seinen lebendigen Vortrag mit langanhaltendem Applaus. Mit festlicher Bläsermusik setzte das kreiskirchliche Bläserensemble unter der Leitung von Ursula-Maria Busch geistliche Akzente während der Veranstaltung.

Bei herbstlicher Kürbissuppe und dem Austausch über die Impulse des Festvortrags klang der Stiftungsabend im Stiftshof Leeden aus.

Text: Christine Fernkorn

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