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Das Mahl als Zeichen der Gemeinschaft - Vernissage zu Veranstaltungsreihe „Mahl der Völker“ in Koster Bentlage in Rheine

„Die Schere beim Mahl“ oder „Tischgesellschaften“ so lautet der Titel der Installation des Lienener Künstlers Hugo Langner. Er ist einer der sieben Künstlerinnen und Künstler, die sich mit dem Bibeltext Jesaja 25,6-8 künstlerisch auseinandergesetzt haben. Es ist eine von vielen Arbeiten, die seit dem 3. Oktober im Kloster Bentlage im Rahmen einer Ausstellung mit dem Titel „Mahl der Völker“ gezeigt wird.

Weitere ausdrucksstarke Arbeiten in unterschiedlichsten Techniken stammen von Anne Deyfuß (Wandobjekt/Skulpturen), Dirk Heckmann (arrangierter Tisch mit drei Stühlen und Möglichkeit, eigene Impulse einzubringen), Thomas Hugo (Tafelbilder, Collagetechnik), Ralf Margott (Acryl auf Leinwand, Öl auf Papier), Ilona Felicitas Hetmann (Skulptur, Acryl auf Leinwand) und Sigrun Menzel (Installationen draußen und im Innenraum). Hier sehen Sie Impressionen aus der Ausstellung. Das Video wurde von Thomas Nitowski (Firma canomedia, Osnabrück) erstellt: 

https://youtu.be/o2CSMOeID8o

Gastgeber Jan-Christoph Tonigs, künstlerischer Leiter der kulturellen Begegnungsstätte in Rheine, freute sich über die vielen interessierten Gäste zur Vernissage, die sich von den Bildern, Collagen, Installationen und Exponaten inspirieren ließen. Mit der Vernissage startete das Kunst- und Kulturprojekt, das bis zum 14. November eine Reihe spannender Veranstaltungen bietet. Veranstalter sind die drei Ev. Kirchenkreise Tecklenburg, Münster und Steinfurt-Coesfeld-Borken sowie das Kloster Bentlage.

Im Jesaja-Text heißt es: „Es werden sich einst alle Völker um den Tisch des Herrn versammeln und eine Zeit des Friedens und der Herrschaft Gottes wird anbrechen“. Im Mahl, beim gemeinsamen Essen finden Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Nationa-litäten zusammen. Hugo Langner entwickelte ein Tischensemble: „Vier verschiedene Tische symbolisieren Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten: herrschaftlich, bürgerlich, ein dritter Tisch ist für das Gesinde. Daneben ist eine Erdfeuerstelle zu sehen“, erklärt er. Das goldene Band, das diese vier Tische verbindet, soll die Decke symbolisieren, in der in Jesaja 25 die Rede ist. Dort heißt es „…und er wird auf diesem Berg die Decke wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind“.

Auf Initiative des Schulreferenten Dr. Thorsten Jacobi (Ev. Kirchenkreise Tecklenburg und Steinfurt-Coesfeld-Borken) und in Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen Ute Dölemeyer und Ulrike Lagemann haben sich Schülerinnen und Schüler des Emsland-Gymnasiums Rheine sowie der Förderschule St. Elisabeth in Burgsteinfurt im Religionsunterricht mit dem Bibeltext befasst und eigene Bilder entwickelt. Verschiedene Menschen treffen sich dort zum gemeinsamen Mahl, unabhängig ihrer kulturellen Vorlieben. Ein Bild greift die Vielfalt der Religionen auf und vermittelt: Alle sind eingeladen.

Gemeinsames Abendmahl beim Ökumenischen Kirchentag

„Das Mahl ist ein Zeichen von Gemeinschaft“, so Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralrats der Katholiken (ZdK), in seinem Grußwort. Beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt im Mai hätten sich die Konfessionen gegenseitig zum gemeinsamen Abendmahl eingeladen. „Das haben wir katholische Christen als Reichtum erfahren“, berichtete er. Es gehe um die Frage, wie wir den christlichen Gedanken, dass alle Menschen gleich angenommen seien, ausdrücken und vermitteln. Das im Jesaja-Text beschriebene Bild, mit dem sich die Künstler im „Mahl der Völker“-Projekt befassten, sei ein Traum- und Hoffnungsbild, meinte Superintendent André Ost in seinem biblischen Impuls. Die Wirklichkeit bleibe noch dahinter zurück. „Mahlgemeinschaften können verbinden und trennen zugleich“ unterstrich er. Jede Mahlgemeinschaft wolle eine Einladung zum Teilen sein – zum Teilen von Geschichten, Erfahrungen, Hoffnungen und Träumen. Wo immer das geschehe, sei dies ein Vorschein des endzeitlichen Mahls der Völker, das Gott ausrichten werde, führte André Ost aus.

Miteinander der Kulturen

„Kunst ist eine interessante Möglichkeit, sich mit kirchlichen Themen zu befassen,“ betonte Fabian Lenz, 1. Stellv. Bürgermeister der Stadt Rheine. Das Kloster Bentlage als Ausstellungsort passe als Ort des kulturellen Austauschs hervorragend zu dem Thema der Ausstellung. „In unserer Stadt sehen wir das Miteinander der Kulturen im Alltäglichen“, berichtete er. Derzeit lebten Menschen mit 25 Nationalitäten in Rheine. Er freue sich, dass diese Ausstellung im Rahmen der Interkulturellen Woche eröffnet werde.

Mit buddhistischen, tibetischen, hinduistischen, islamischen, jüdischen und christlichen Tischgebeten vermittelte das Vorbereitungsteam der Veranstaltungsreihe einen Brückenschlag zum Verbindenden dieser Religionen. „Es ist uns immer um die Frage gegangen: Wie können Kirche und Kunst sich verständigen? Wie kann Kirche empfänglich dafür werden, was Kunst zu sagen hat?“, berichtete Pfarrer Dr. Norbert Ammermann, Kulturbeauftragter des Ev. Kirchenkreises Tecklenburg. Dr. Heiße Plaß, Leiterin des Fachreferats Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Münster, berichtete von dem fünftägigen Workshop im Mai dieses Jahres, der der Vernissage im Kloster Bentlage vorausging. „Die Künstler haben sich gegenseitig bereichert“, berichtete sie. „Alle Völker an einem Tisch. Da wird kein Platz mehr sein für Scheuklappen und Tunnelblicke - weg mit der Decke“, betonte Schulreferent Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi. Das sei die Vision: Ein Berg – ein Gott – ein Mahl“. Dr. Helena Otterspeer, Atomphysikerin und Theologin, appellierte an die Besucher, die Installationen von Sigrun Menzel im Eingangsbereich und auf der Wiese vor dem Kloster unter der Überschrift “das da, Anfang, jetzt, allezeit, ewigkeit“ mit ihrer Anwesenheit zu ergänzen und zu bereichern. Die Gemeinschaft der Völker konnten die Besucher dann auch gleich beim anschließenden Kochevent in der Scheune von Kloster Bentlage mit Einheimischen und Geflüchteten erleben und schmecken.

Die Auslegungen zum Bibeltext und alle weiteren Informationen zur Ausstellung und zur Veranstaltungsreihe finden Sie unter: https://voelkermahl.himmelsklang.eu/

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